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Das Projekt
Pellets statt Gas für die Fernwärme
Das modernisierte Heizwerk am Bahnhof SBB wird künftig mit Holzpellets statt mit Gas betrieben. Die Umrüstung ist Teil der Basler Wärmetransformation.
Alles ist eng im Heizwerk am Bahnhof – nicht nur die Zufahrt für Lastwagen, sondern auch das Werk selbst. «Die Enge durch Bauen im Bestand war eine Herausforderung und mit ein Grund, weshalb der Umbau fünf Jahre gedauert hat», erklärt Projektleiter Stefan Crollet. Doch das Werk ist wichtig im Fernwärmenetz von IWB.
Im Gegensatz zu den grossen Wärmeerzeugern Kehrichtverbrennungsanlage und Holzkraftwerk I und II, die sich am Rand des Netzes im Quartier St. Johann befinden, liegt das Heizwerk am Bahnhof mittendrin zwischen grossen Wärmeverbrauchern. Denn bis die Fernwärme aus dem St. Johann im Gundeli ankommt, wurde sie durch viele vorherige Verbraucher schon merklich abgekühlt. Daher erhält sie im Heizwerk Bahnhof nochmals einen kräftigen Wärmeschub.
Nur an sehr kalten Tagen
«Das Werk aus den 1980er Jahren liegt an einem netztopologisch idealen Punkt, um an sehr kalten Tagen die Fernwärmeproduktion im Gundeli zu unterstützen», erklärt Stefan Crollet. «Man kann es deshalb nicht einfach an den Stadtrand verlegen». Bisher bestand es aus fünf Gasbrennern, die aber im Rahmen des Netto-null-Ziels aus der Fernwärme verschwinden sollen.
Deshalb musste ein Gaskessel einer Holzpelletanlage weichen. Ein weiterer Kessel wurde bereits vor einigen Jahren mit der Fernkälteanlage für den Bahnhof SBB und das Meret-Oppenheimer-Hochhaus ersetzt. Wie bisher wird das Heizwerk an etwa 500 Stunden jährlich Wärme liefern, wenn es draussen besonders kalt ist. Denn in der Hierarchie des Basler Fernwärmenetzes liefert die Kehrichtverbrennung die Grundlast. Dazu gehört etwa im Sommer das warme Brauchwasser. Von den beiden Holzkraftwerken kommt die zusätzlich nötige Winterenergie. Den Spitzenverbrauch an sehr kalten Tagen decken Spitzenlastkessel mit Gas und nun erstmals auch mit Pellets.
Höchster Brennwert, kleinstes Volumen
Pellets kommen zum Einsatz, weil sie von allen CO2-neutralen Brennstoffen den höchsten Brennwert und das kleinste Volumen haben und in ausreichender Menge verfügbar sind. IWB konnte als Lieferanten im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung zwei Schweizer Lieferanten finden. Stefan Crollet hat das neue Pellet-Lager in eine Betonnische eingepasst, in der sich vor Jahren ein Öltank befand.
Pellets aus den Abfällen der einheimischen Holzbranche
Die Pellets sind klein und kompakt. Sie entstehen aus den Abfällen der einheimischen Holzbranche: Staub und Sägemehl aus Sägereien und Schreinereien, getrocknet und gepresst.
Unmittelbar vor dem Verbrennen zerreiben zwei Mahlwerke die Pellets zu feinem, trockenem, mehlartigem Staub. «Das Mahlen vergrössert die Oberfläche und damit die Brenngeschwindigkeit des Materials», erklärt Stefan Crollet die Idee hinter dem Prinzip. Eingeblasen in spezielle Brenner, verbrennt der Staub in den Kesseln sehr sauber. Die Abgase werden in einer modernen Filteranlage gereinigt, so dass keine Feinstaubbelastung entsteht.
Das Mahlen vergrössert die Oberfläche und damit die Brenngeschwindigkeit des Materials.
Technisch ist alles machbar
«Gas ist bezüglich Flexibilität und Kompaktheit eigentlich gut», meint Stefan Crollet. «Aber wenn wir netto null erreichen wollen, müssen wir uns wie in vielen anderen Bereichen auch von dieser bequemsten aller Lösungen verabschieden.» Ein erster Schritt ist nun getan. Weitere werden folgen. Denn wie sich am Heizwerk Bahnhof gezeigt hat: Die technischen Herausforderungen sind lösbar – und netto null 2037 steht aus Sicht der Fernwärme nichts entgegen.
Rundgang mit Stefan Crollet durch die neue Anlage
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