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Das Projekt
Nanoverbund: Günstige Wärme dank guter Nachbarschaft
Mein Haus, meine Heizung? Bei zusammengebauten Häusern ist das nicht immer das beste Prinzip. Denn dank des Nanoverbunds ist es möglich, mit einem System mehrere Häuser individuell zu heizen und bestehende Systeme einzubinden. Das spart Platz und Kosten. Und auch für Installateure ist die clevere Nachbarschaftslösung interessant.
Der Raum ist winzig – und doch beherbergt er die Heizung für zwei Einfamilienhäuser, bestehend aus einer älteren Gasheizung, einem Warmwasserboiler und der Steuerung – dem Herzstück des Nanoverbundes. Hat die Gasheizung dereinst ausgedient, soll sie durch eine Wärmepumpe ersetzt werden. «Wir integrieren alle bestehenden Systeme der verbundenen Häuser, inklusive Solarthermie», sagt Andreas Weber, Inhaber der Heizwert AG. Er hat den Nanoverbund zusammen mit IWB mitentwickelt. Die Innovation wurde im Jahr 2025 vom Bundesamt für Energie in der Kategorie «Gebäude und Raum» mit dem Watt d’Or ausgezeichnet.
Nachhaltige Heizlösung
Zwei der drei Familien wurden kürzlich an den Nanoverbund angeschlossen. Sie teilen sich die Heizung, was Absprachen und Vertrauen voraussetzt. Auf Komfort müssen sie nicht verzichten, denn die Heizleistung lässt sich nach wie vor individuell einstellen und visualisieren. Auch für Andreas Weber war der Nachhaltigkeitsgedanke der Antrieb dafür, diese Lösung mitzuentwickeln: «Viele Heizungen sind überdimensioniert und laufen dadurch ineffizient – wie ein Ferrari in der Dreissigerzone. Der Nanoverbund korrigiert das, indem die Heizleistung geteilt wird und Lastspitzen so besser verteilt werden.» Weniger Geräte bedeuten auch weniger graue Energie. Zudem treibt diese Heizlösung die Dekarbonisierung weiter voran.
Viele Heizungen sind überdimensioniert und laufen dadurch ineffizient – wie ein Ferrari in der Dreissigerzone.
Eignung eines Nanoverbunds
Wenn bestehende Häuser aneinandergrenzen und kein Fernwärmeanschluss vorhanden oder geplant ist, dann ist der Nanoverbund oft die effizienteste Lösung für den Heizungsersatz. Der Ort spielt ansonsten keine Rolle, Nanoverbunde können schweizweit realisiert werden. Die flexible Lösung bietet sich an, wenn
- wenig Platz für den Heizungsersatz vorhanden ist,
- die Kosten für den Heizungsersatz für eine Partei zu hoch sind,
- mehrere Nachbarn vor dem Ersatz ihrer fossilen Heizung stehen,
- eine Übergangslösung gefragt ist, z.B. bis die Erdsonden-Wärmepumpe eintrifft,
- eine effiziente, kosten- und platzsparende Lösung gefragt ist,
- eine klimafreundliche Lösung gewünscht ist.
Und natürlich braucht es zwei oder mehr Nachbarn, die bereit sind, gemeinsam eine Heizlösung zu realisieren.
Unsere Wärmelösungen
Vernetzung ist die Zukunft. Wer heute lernt, wie man Nachbarschaften energetisch zusammenschliesst, wird morgen ein gefragter Experte sein.
Tiefere Kosten
Die Investitionskosten pro Haushalt liegen im Vergleich zu anderen Lösungen um etwa 15 bis 25 Prozent tiefer, weil weniger, dafür effizientere Geräte verbaut und die Erschliessungskosten geteilt werden. Heizwert bietet die Installation in der Regel als Pauschale an, um den Kunden Kostensicherheit zu bieten. Auch im Betrieb ist der Verbund günstiger, da die Anlagen im optimalen Leistungsbereich laufen. Je mehr Häuser verbunden werden, desto günstiger wird es, da sich die Skaleneffekte bei den Installationskosten für alle Häuser auswirken. Gut zu wissen ist zudem, dass die Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt den Nanoverbund mit attraktiven Förderbeiträgen von bis zu 50 Prozent der Investitionskosten unterstützen.
Eingespielte Zusammenarbeit
Voraussetzung für den Nanoverbund ist das Interesse der Eigentümerinnen und Eigentümer. Nachdem der Installateur die Machbarkeit geprüft hat, liefert IWB die Übergabestation sowie das Know-how für die Vernetzung. Der Installateur ist für die Technik und die Installation sowie für den Unterhalt zuständig. «Wir gleichen die Hydraulik so ab, dass jedes Haus exakt die Wärme bekommt, die es benötigt, egal, ob diese von der Solarthermie, einer älteren Gasheizung oder der Wärmepumpe kommt», sagt Andreas Weber. Diese Herausforderung findet er spannend: «Wir verkaufen nicht nur ein Gerät, sondern eine innovative Systemlösung. Das motiviert auch das Team.»
Die Kooperation mit IWB sei eingespielt: «Wir erleben IWB sehr partnerschaftlich, offen, ehrlich und direkt.» Dennoch sei der Planungs- und auch der Beratungsaufwand höher als bei Standardlösungen, und die Koordination zwischen den Parteien brauche Fingerspitzengefühl, sagt er und ergänzt: «Wenn der Prozess aber einmal standardisiert ist, überwiegen die Vorteile bei Weitem.»
Wenn der Prozess einmal standardisiert ist, überwiegen die Vorteile bei Weitem.
Wartung und Betrieb
Ein Nanoverbund wird von den Kundinnen und Kunden als Infrastruktur wahrgenommen, die professionell betreut werden muss. Daher gehören ein Wartungsvertrag und eine Amortisation über 20 Jahre in der Regel dazu. Die technische Wartung läuft über den Installateur, während IWB das digitale Monitoring übernimmt. Kostenpunkt: CHF 365 p/Jahr und Haus. Die gelieferte und bezogene Wärme wird über eine passwortgeschützte Plattform angezeigt; die Kundinnen und Kunden müssen einzig unter sich die Bilanz ausgleichen. Mithilfe einer Vertragsvorlage von IWB können die Parteien ihre Bedürfnisse vertraglich regeln, sodass für alle Seiten Klarheit herrscht. So entsteht für sie ein Rundum-Sorglos-Paket.
Vernetzung ist Zukunft
Andreas Weber ist überzeugt: «Vernetzung ist die Zukunft. Wer heute lernt, wie man Nachbarschaften energetisch zusammenschliesst, wird morgen ein gefragter Experte sein. Und der Watt d’Or 2025 beweist: Der Markt ist bereit.» Die Sharing-Economy wird wichtiger werden, und damit gewinnt auch der Nanoverbund an Bedeutung. Weil dieser flexibel erweiterbar ist, können sich jederzeit auch weitere Nachbarn mitvernetzen – mit minimalem Platzbedarf und maximaler Heizleistung.
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