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Klimadreh
Magazin

Energiegeschichten

Wo das Feld zum Kraftwerk wird: CARBOGEN AMCIS machts vor

Photovoltaik

Eine grosse freistehende Solaranlage in Hunzenschwil die im Jahr über 1,1 Gigawattstunden Strom produziert.
Auf einer rund 5000 m2 grossen Fläche an einem der Produktionsstandorte von CARBOGEN AMCIS in Hunzenschwil produzieren 2'448 Solarmodule jedes Jahr über 1,1 Gigawattstunden Strom. (Fotos: SR-STUDIOS)

Bei sommerlichen Temperaturen wurde am Donnerstag, 25. Juni 2026 die neue Photovoltaik-Freiflächenanlage von CARBOGEN AMCIS in Hunzenschwil eingeweiht. Das Solarkraftwerk produziert künftig den Strom direkt an einem der Produktionsstandorte des Wirkstoffherstellers für die pharmazeutische Industrie. Dadurch spart das Unternehmen markant Kosten und leistet einen Beitrag für die Energiewende

Die Sonne liess es sich nicht nehmen, an der Einweihung der neuen Photovoltaik-Freiflächenanlage dabei zu sein. Und so waren die Temperaturen sommerlich heiss, als Gäste, Projektverantwortliche und Partner im Festzelt auf das Projekt anstiessen. Die eigentliche Hauptdarstellerin des Tages produzierte derweil nur wenige Schritte entfernt nachhaltigen Solarstrom.

In der Gemeinde Hunzenschwil beträgt der gesamte jährliche Stromverbrauch 5.4 Gigawattstunden (Quelle: EnergieSchweiz, Bundesamt für Energie). Davon ist die CARBOGEN AMCIS mit rund 2 Gigawattstunden der grösste Verbraucher. Um den enormen Strombedarf des Betriebes vor Ort abdecken zu können, bot sich das benachbarte Reservegrundstück – nicht genutztes Industrieland – an. Eine Anlage auf der Dachfläche des Produktionsgebäudes war nicht möglich, weil dieses durch die grossen Lüftungsanlagen bereits besetzt ist. Auch das Dach des Nachbargebäudes schied aufgrund der zulässigen Dachlast aus.

Samuel Schluchter, Area Manager bei IWB, sagt: «Bei IWB sahen wir schon früh das grosse Potenzial für eine Photovoltaik-Freiflächenanlage.» Eine Möglichkeit wäre gewesen, die Anlage im Contracting zu betreiben, wobei die IWB die Investitionen übernommen und der CARBOGEN AMCIS die Elektrizität zu einem günstigen Preis verkauft hätten. Doch das Unternehmen entschied sich dafür, selbst zu investieren.

Drei Personen unter der Freiflächen-Solaranlage von Carbogen-Amcis.
Mit guter Kommunikation zur effizienten Realisierung: Volker Wolfart, Country Manager bei CARBOGEN AMCIS (links), Samuel Schluchter, Area Manager bei IWB (Mitte) und Thomas Knecht, Projektleiter bei der IWB-Tochter Planeco. (Fotos: SR-STUDIOS)

Ökologie und Ökonomie zusammen gedacht

Volker Wolfart verweist auf zwei Treiber für die Investition: den Kostendruck im weltweiten Wettbewerb und die steigende Erwartung der Kunden, den CO2-Fussabdruck zu reduzieren. Die Balance zwischen Ökonomie und Ökologie sei nicht immer einfach, sagt er. «Ziel ist es, bei beiden ein Maximum zu erreichen». Neben dem gezielten Einkauf von Elektrizität werden auch andere Möglichkeiten systematisch geprüft: An erster Stelle stehen die Betriebsoptimierung und Wärmerückgewinnung. Aber auch die Verwendung von erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung ist immer ein Thema erklärt Wolfart. «Photovoltaik ist aber in Hunzenschwil die effektivste und wirtschaftlich beste Alternative». Die neue Anlage erreicht einen Stromertrag von über 1,1 Gigawattstunden pro Jahr. Davon kann der Betrieb über das ganze Jahr mehr als die Hälfte seines Strombedarfs abdecken. Im Sommer wird sogar der gesamte Energiebezug aus der eigenen Anlage abgedeckt. Der Eigenverbrauchsanteil liegt bei ungefähr 67%.

Volker Wolfart

Country Manager, CARBOGEN AMCIS

Mit der Anlage können wir mehr als die Hälfte des Jahresverbrauchs abdecken und sparen im Energieeinkauf mehrere zehntausend Franken Kosten.

Anspruchsvolles Gelände

Die reine Modulfläche beträgt rund 5000 Quadratmeter. Jedes Modul misst etwa zwei Quadratmeter, die Unterkonstruktion besteht aus Stahl und wurde mit einem Spezialgerät zwei Meter tief im Boden verankert. Bevor die gesamte Unterkonstruktion ausgeführt wurde, wurden Rammversuche vorgenommen und dabei die Festigkeit des Untergrundes geprüft. Dabei musste festgestellt werden, dass die Unterkonstruktion für die zu erwartenden, enormen Windlasten nicht ausreicht. Insbesondere bestand die Gefahr, dass bei starkem Wind die Pfosten aus dem Boden herausgerissen werden könnten. Aufgrund des knappen Terminprogramms mussten rasch Lösungsmöglichkeiten gefunden werden. Mit zusätzlichen „Bodenankern“ war es möglich, die geforderte Windfestigkeit zu erreichen. Thomas Knecht, Projektleiter bei Planeco, erläutert: «Bei solchen Projekten gibt es selten Lösungen, die man einfach aus einem Katalog entnehmen kann.» Dennoch dauerte es vom Spatenstich am 24. März bis zur Inbetriebnahme nur drei Monate. Die Solarmodule waren in rund einer Woche montiert. Der vereinbarte Inbetriebnahmetermin konnte eingehalten werden.

Ein weiterer Aspekt ist die Blendwirkung der Anlage. Weil diese direkt neben der Kantonsstrasse steht, musste diese mit einem Blendgutachten beurteilt werden. Dabei wurde festgestellt, dass insbesondere Lastwagenfahrer an einzelnen Tagen eine Blendung erfahren könnten. Zusammen mit dem Kanton wurden die Möglichkeiten eines Blendschutzes geprüft. Man hat sich für die Anpflanzung von Sträuchern entschieden, auch die Einschränkung der Produktion ist auf diese Weise sehr gering.

Thomas Knecht

Projektleiter, Planeco

Bei solchen Projekten gibt es selten Lösungen, die man einfach aus einem Katalog nehmen kann.»

Partnerschaft mit kurzen Wegen

IWB und CARBOGEN AMCIS sind seit 2020 im Gespräch: Zuerst ging es um den Bezug von nachhaltigem Strom, später um Energieberatung, nun um Photovoltaik. Volker Wolfart beschreibt IWB als Partnerin, bei der über die Jahre das Vertrauen gewachsen ist – damit entstand für die Projektrealisierung ein Vertrauensvorschuss. Samuel Schluchter sieht genau darin den Unterschied zwischen einer klassischen Kunden-Lieferanten-Beziehung und einer Energiepartnerschaft: Neben dem Kaufmännischen sei auch das Menschliche zentral. Man kenne sich, wisse, was der andere brauche und was ihm wichtig sei. 

Entscheidend war die enge Abstimmung aller Beteiligten. Neben CARBOGEN AMCIS, IWB und Planeco waren weitere Projektpartner eingebunden. Es waren dies der lokale Netzbetreiber, der Lieferant der Trafostation, das zuständige Architekturbüro und der Energieberater. «Kommunikation ist der Schlüssel zum erfolgreichen Projekt», sagt Wolfart. Von Anfang an habe man intensive, regelmässige Projektbesprechungen auf Wochenbasis etabliert. Das habe sich bewährt. Auch Knecht betont, wie wichtig der frühe interdisziplinäre Austausch war, um das Projekt in der geforderten Zeit und Qualität abzuschliessen. 

Ein Mann schreitet unter den PV-Panels der Freiflächen-Anlage durch.
Volker Wolfart blickt mit Freude auf die neue Anlage . Er freut sich über das gelungene Projekt: «Wir sind mega zufrieden.» (Fotos: SR-STUDIOS)

Mehrfacher Nutzen

Die Anlage ist auf der tieferen Seite rund 1,30 Meter hoch, am First rund 2,50 Meter. Die Ausrichtung der Module war ein zentraler Aspekt im Anlagenkonzept. Gegenüber einer Südausrichtung mit einer Neigung von 30 Grad, welche eine maximale Produktion der Module ermöglicht, wurde eine Ost-West-Ausrichtung mit einer Neigung von 15 Grad gewählt. Mit dieser Ausrichtung, wird eine ausgeglichenere Produktion im Tagesverlauf erreicht und so der Eigenverbrauchsanteil und damit die Wirtschaftlichkeit verbessert. Mit dieser Ausrichtung war es zudem möglich, eine grössere Anzahl Module auf der zur Verfügung stehenden Fläche zu platzieren.

Die Förderung der Biodiversität war auch eine der zentralen Forderungen der CARBOGEN AMCIS und kann mit der Freiflächenanlage erfüllt werden. Es schafft ein Mikroklima unter den Modulen und produziert daneben durch die grosse Fläche viel Strom. Bei der Auswahl des Saatgutes wurde eine möglichst artenreiche Mischung gewählt. Ergänzende Massnahmen schaffen Unterschlupf für alle Arten von Lebewesen. Sogar die Umzäunung wurde so montiert, dass kleinere Tiere darunter hindurchschlüpfen können.

Auch der Unterhalt ist lokal gedacht. CARBOGEN AMCIS arbeitet mit Bauern aus der Umgebung zusammen, die ihre Schafe unter der Anlage weiden lassen können. Die Tiere finden an heissen Tagen Schatten unter den Modulen und halten gleichzeitig das Gras kurz. Wolfart formuliert den langfristigen Erfolg des Projekts entsprechend anschaulich: «Wir haben lieber viele Schäfchen auf der Wiese, anstatt viele Schäfchen an Geld für Energie zu zahlen.» 

Blick unter den Solar-Modulen hindurch wo ein eigenes Mikroklima für Setzlinge, Insekten und Schafe zum weiden entsteht.
Unter den Modulen entsteht nicht nur Schatten, sondern auch zusätzlicher Nutzen: Lokale Bauern können ihre Schafe auf der Fläche weiden lassen, zudem ermöglicht die erhöhte Konstruktion den einfachen Unterhalt der Anlage. (Fotos: SR-STUDIOS)

Samuel Schluchter

Area Manager, IWB

Am besten dort den Strom erzeugen, wo er auch genutzt wird.

Fazit: Solarstrom als Standortvorteil

Für CARBOGEN AMCIS ist die Anlage – neben der Verwendung von Strom aus Wasserkraft – ein wichtiger Baustein in der nachhaltigen Energiebeschaffung. Im nächsten Schritt werden von der CARBOGEN AMCIS weitere Möglichkeiten ins Auge gefasst, um den Eigenverbrauch der Anlage zusätzlich zu steigern, wie die Ergänzung mit Batteriespeicher und mit Ladestationen für die E-Mobilität. Der Verkauf eines Teils der Energie über eine LEG (Lokale Energie Gemeinschaft) ist ebenfalls in Abklärung.

Die Energiekosten werden am Standort markant reduziert. Das Investment ist nach wenigen Jahren zurückbezahlt. Strategisch stärkt die Anlage zudem laut Wolfart Eigenständigkeit, Resilienz und verbessert die Position im Wettbewerb. Schon heute merke die Sales-Abteilung, dass Kunden stark auf Nachhaltigkeit und Solarstrom reagieren. Für Samuel Schluchter ist dezentrale Energieproduktion ein wichtiger Baustein der Zukunft: «Am besten dort den Strom erzeugen, wo er auch genutzt wird.» Ein Grundsatz, der die imposante Anlage auf der Fahrt von Suhr nach Hunzenschwil sichtbar macht.