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Das Projekt
Wertvoller Insektenfresser: der Igel
Der Igel gilt in der Schweiz als potenziell gefährdet. Wildtierbiologin Julia Felber erklärt, warum er unter Druck steht, was das für unsere Umwelt bedeutet und wie es ihm im Birstal geht.
Frau Felber, was fasziniert Sie an Igeln?
Igel sind erstaunlich anpassungsfähig. Als nachtaktive Insektenfresser finden sie in ganz unterschiedlichen Situationen Nahrung. Notfalls auch in toten Tierkörpern. Gerade diese Flexibilität macht sie spannend, aber auch schwierig zu erforschen. Etwa wenn es darum geht, wie stark sie unter dem Insektenrückgang leiden.
Welche Rolle spielen sie im Ökosystem?
Sie sind ein wichtiges Puzzleteil. Igel fressen unter anderem Käfer, die Pflanzen schädigen, und wirken so wie eine natürliche Schädlingskontrolle. Gleichzeitig sind sie ein Bioindikator, weil sie in unserem Siedlungsraum leben. Geht es dem Igel schlecht, stimmt oft etwas in unserem Lebensraum nicht.
Der Igel gilt in der Schweiz als potenziell gefährdet. Warum?
Es ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Verdichtung, weniger Grünflächen, mehr Verkehr und eine zunehmende Population von Dachsen. Diese gehören zu den natürlichen Feinden des Igels. Hinzu kommen Pestizide, Mähroboter und monotone Gärten ohne Nahrung für die Säugetiere. Für Igel, die sich durch viele Gärten bewegen, werden Hindernisse und Gefahren immer häufiger.
Was war das Ziel des Projekts «Igel im Birstal gesucht»?
Wir wollten besser verstehen, wo Igel im Birstal vorkommen. Dafür haben wir das Gebiet in Raster unterteilt. Freiwillige stellten Spurentunnel auf, kontrollierten diese über fünf Nächte und sammelten Daten. Ergänzt wurde das durch Meldungen aus der Bevölkerung.
Engagement von IWB
IWB fördert im Zeichen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie Projekte, die unter anderem in den Bereichen Klima, Mobilität oder Naturschutz Gutes bewirken. «Igel im Birstal gesucht» ist eines dieser Projekte.
Mehr zu unsreen Projekten:
iwb.ch/projektfoerderung
Und was zeigen die Ergebnisse?
Die Situation ist stabil: Mit rund 28 bis 29 Igeln pro Quadratkilometer liegt das Birstal im Durchschnitt und besser als noch vor einigen Jahren. Aber es ist noch lange kein Grund, sich zurückzulehnen.
Was können wir konkret für Igel tun?
Schon kleine Massnahmen fruchten. Entscheidend ist, dass Igel überhaupt Zugang zu unseren Gärten haben. Schon zehn Zentimeter vom Boden ausreichen, damit er durchkommt. Blumenwiesen statt englischer Rasen, Verzicht auf Pestizide und ein vorsichtiger Umgang mit Mährobotern unterstützen sie zusätzlich. Auch offene Komposte sind wegen der Insekten, die angezogen werden, für Igel wie ein Schlaraffenland. Letztlich profitieren davon nicht nur Igel, sondern die gesamte Biodiversität in unseren Siedlungen.
Kann sich die Igelpopulation in der Schweiz wieder erholen?
Die zunehmende Verdichtung, Versiegelung, Automatisierung – etwa durch Mähroboter – und die oft sterile Gestaltung von Gärten bereitet mir Sorgen. Wenn diese Entwicklung anhält, wirkt sich das negativ auf den Igel aus. Wenn wir jedoch gegensteuern und unsere Lebensräume wieder vielfältiger gestalten, bin ich zuversichtlich, dass sich die Bestände erholen können.
Zur Person
Julia Felber ist Wildtierbiologin bei SWILD, einer unabhängigen Forschungs- und Beratungsgemeinschaft. Sie setzt sich für wissenschaftsbasierten Natur-, Tier- und Artenschutz ein.
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