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Energiegeschichten
Oben Strom, unten freie Fahrt
Bei der Busbetrieb Olten Gösgen Gäu AG (BOGG) zieht die Tankstelle unters Dach. Statt draussen an der Zapfsäule tanken die Elektrobusse ihren Strom direkt in der Halle. IWB hat das Depot dafür mit 36 Ladepunkten ausgerüstet. Und eine Lösung gefunden, bei der die Busse keinen Zentimeter Rangierfläche verlieren.
Ein Bus fährt in die Halle, biegt auf seinen Parkplatz ein und hält an. So weit, so gewöhnlich. Doch dann löst der Chauffeur über eine Lichtschranke den Lademechanismus aus. Ein Kabel senkt sich von der Decke, der Stecker wird angeschlossen. Fertig. Während die Batterie lädt, bleibt am Boden alles frei. Keine Ladesäulen im Weg, keine herumliegenden Kabel.
Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Busdepot aussieht, ist heute gleichzeitig eine Stromtankstelle. Und die hat einiges zu tun. Die Busbetrieb Olten Gösgen Gäu AG, kurz BOGG, bringt täglich knapp 23 000 Menschen in der Region Olten von A nach B. Noch fährt ein grosser Teil der Flotte mit Diesel. Doch nach und nach übernehmen Elektrobusse. Bis spätestens 2035 soll die gesamte Flotte CO₂-neutral unterwegs sein. Die passende Ladeinfrastruktur ist bereits installiert.
Umbauen, während die Busse weiterfahren
Drei Hallen, 36 Ladepunkte, zwölf Ladegeräte und zwei Trafostationen. In nur fünf Monaten hat IWB das Depot in Wangen bei Olten für die Elektromobilität umgerüstet. Dafür wurde auch eine zweite Trafostationen vom Netzbetreiber erstellt. Von Februar bis Ende Juni 2026 wurde gebaut, installiert und getestet.
Die eigentliche Herausforderung lag dabei nicht in der Technik, sondern in der praktischen Umsetzung. Während in den Hallen Leitungen verlegt und Ladegeräte installiert wurden, fuhren die Busse weiterhin nach Fahrplan ein und aus. «Die grösste Herausforderung war, ein Depot dieser Grösse umzubauen, ohne den Fahrplan zu beeinträchtigen», sagt Marcel Marrazzo, Leiter Technik & Vertrieb bei BOGG. «Das erforderte eine sehr sorgfältige Etappierung, eine enge Abstimmung zwischen allen Beteiligten und viel Flexibilität.»
Die Basler Energieversorgerin IWB übernahm als Vertragspartnerin die Gesamtplanung, die Hardware-Lieferung, aber auch die Programmierung, die Koordination und die Inbetriebnahme. Die Installationsarbeiten führte das IWB-Tochterunternehmen Planeco aus. Die Ladegeräte stammen vom Schweizer Hersteller EVTEC.
Unsere Lösungen
Projektleiter Timo Schmid sorgte dafür, dass Bauarbeiten und Busbetrieb aneinander vorbeikamen. «Wir mussten die Arbeiten auch mit der MFK koordinieren, die bei der BOGG eingemietet ist», erklärt er. «Damit die Busse weiterhin nach Fahrplan unterwegs sein konnten und wir trotzdem mit dem Umbau vorankamen, haben wir in zwei Schichten gearbeitet. Das hat von allen Beteiligten viel Flexibilität und eine gute Abstimmung verlangt.».
Auch nach der Inbetriebnahme bleibt IWB für die Anlage verantwortlich. Für die kommenden fünf Jahre übernimmt sie Betrieb und Unterhalt, inklusive digitaler Überwachung und 24-Stunden-Pikettdienst. «Mit der passenden Software haben wir stets im Blick, welcher Bus wann geladen wird und können jederzeit eingreifen», so Schmid.
Mit der passenden Software haben wir stets im Blick, welcher Bus wann geladen wird und können jederzeit eingreifen.
Die Tankstelle macht sich klein
In einem Busdepot zählt jeder Meter. Die Fahrzeuge müssen rangieren können, Mitarbeitende brauchen Platz zum Arbeiten. Ladesäulen am Boden und herumliegende Kabel wären da unpraktisch. Deshalb hat BOGG gemeinsam mit IWB eine Lösung gewählt, bei der sich die Ladetechnik weitgehend oberhalb der Fahrzeuge befindet.
Das sogenannte Line-Drop-System der Schweizer Firma Mibag lässt die Ladekabel bei Bedarf von der Decke herunter. Eine Lichtschranke löst den Mechanismus aus. Nach dem Laden werden die Stecker wieder nach oben gezogen. «Der grosse Vorteil: Am Boden gibt es keine Ladesäulen und keine Kabel», erklärt Marrazzo. «Die Halle bleibt frei befahrbar, das Rangieren ist einfacher und sicherer, und unser Team kann rund um die Busse ungehindert arbeiten.»
Jede der drei Hallen verfügt über zwölf Ladepunkte. Die zwölf Ladegeräte bringen es zusammen auf eine maximale Leistung von 3.6 Megawatt. Ein intelligentes Lademanagement verteilt den Strom auf die angeschlossenen Busse. Denn nicht alle brauchen gleichzeitig gleich viel Energie. Entscheidend ist, dass jeder Bus rechtzeitig genügend geladen ist für seine nächste Fahrt.
Die Halle bleibt frei befahrbar, das Rangieren ist einfacher und sicherer, und unser Team kann rund um die Busse ungehindert arbeiten.
Der Fahrplan hat immer Vorfahrt
Bei BOGG gibt nicht die Ladetechnik den Takt vor, sondern der Fahrplan. Die Busse müssen jeden Morgen zuverlässig bereitstehen. Daran ändert auch der Elektroantrieb nichts. «Am meisten zählt für uns die Zuverlässigkeit, denn unsere Fahrgäste verlassen sich darauf, dass jeder Bus pünktlich und voll geladen losfährt», betont Marrazzo.
Am meisten zählt für uns die Zuverlässigkeit, denn unsere Fahrgäste verlassen sich darauf, dass jeder Bus pünktlich und voll geladen losfährt.
Deshalb endet die Arbeit von IWB nicht mit der Inbetriebnahme. Während der nächsten fünf Jahre übernimmt IWB auch den Betrieb, die Überwachung und die Wartung der Ladeinfrastruktur. Bei Störungen steht rund um die Uhr ein Pikettdienst bereit. Wie gut das neue System im Alltag funktioniert, zeigt sich bereits: Inzwischen nutzen auch externe Transportunternehmen die Ladepunkte, um ihre Elektro-Lastwagen im Depot aufzuladen.
Weniger Lärm, mehr Nachhaltigkeit
Aktuell sind bei BOGG fünf Elektro-Normalbusse und ein Elektro-Midibus im Einsatz. Bis Mitte 2027 sollen insgesamt 25 Elektro-Gelenkbusse dazukommen. Dann fahren bereits rund zwei Drittel der Flotte elektrisch. Die Fahrgäste bekommen davon vor allem eines mit: weniger Lärm. Die Elektrobusse fahren deutlich leiser, beschleunigen ohne das typische Dröhnen eines Dieselmotors und verursachen unterwegs keine lokalen Abgase. Auch das Fahrpersonal schätzt die ruhigeren Fahrzeuge.
Weitere Beiträge zu E-Mobilität
Doch die Umstellung ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Frage. Elektrobusse kosten in der Anschaffung mehr als Dieselbusse, benötigen dafür weniger Geld für Energie. Ob sich die Rechnung über die gesamte Lebensdauer auszahlt, hängt unter anderem von der Haltbarkeit der Batterien ab. «Ob sich die Umstellung finanziell lohnt, hängt von der Einsatzdauer der Fahrzeuge ab, denn Langzeitwerte zu Batterien fehlen noch. Der ökologische Nutzen ist jedoch klar», sagt Kathrin Saner, Verwaltungsratspräsidentin von BOGG.
Die nächste Schicht beginnt am Abend
Die neue Ladeinfrastruktur ist bereits für den geplanten Ausbau der Elektroflotte ausgelegt. Während also in den kommenden Jahren immer mehr Elektrobusse auf den Strassen unterwegs sind, bleibt ihr Zuhause im Wesentlichen dasselbe. Sie kommen von ihrer Tour zurück, fahren in die Halle und parkieren auf ihrem Platz.
Und während die Busse Pause machen, läuft die Tankstelle unter dem Hallendach auf Hochtouren. Damit es am nächsten Morgen wieder heisst: freie Fahrt.
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