Magazin
Das Projekt
«Wir alle sind Teil des Energiesystems»
Preismodelle, Energiesysteme, Produktionsmix: Das klingt nicht nach Themen, für die sich Jugendliche interessieren. Janno Philipp Siegenthaler beweist das Gegenteil. In seiner Maturarbeit hat der 19-Jährige untersucht, wie dynamische Strompreise die Energiewende unterstützen. Dafür erhält er den Nachwuchspreis «Zukunft schreiben».
Janno, wie kamst du auf die Idee, deine Abschlussarbeit über dynamische Strompreise zu schreiben?
Mein Götti arbeitet im Energiebereich. Er hat sein Haus mit Solaranlage, Wärmepumpe und Batteriespeicher auf einen möglichst effizienten Eigenverbrauch ausgerichtet. Durch unsere Gespräche habe ich gemerkt, wie spannend Energiefragen sein können. Und realisiert, dass wir als Privatpersonen die Energiewende aktiv mit unserem Verhalten mitgestalten können.
Was wolltest du mit deiner Arbeit herausfinden?
Die Schweizer Energielandschaft verändert sich. Mit dem Ausbau von Solar- und Windenergie schwankt die Stromproduktion. Es gibt viele Ansätze, Angebot und Nachfrage auch in Zukunft aufeinander abzustimmen. Dynamische Strompreise sind neben physischen Speichern wie beispielsweise Pumpspeicherkraftwerken in den Bergen einer davon. Ich habe dabei insbesondere untersucht, was eine Umstellung auf dynamische Strompreise für die Konsumentinnen und Konsumenten bedeuten würde.
Wer profitiert von dynamischen Strompreisen?
Dynamische Strompreise orientieren sich an Angebot und Nachfrage. Strom wird dann günstig, wenn entweder viel Energie eingespeist wird oder die Netzbelastung tief ist. Wer also seinen Stromverbrauch zeitlich verschieben kann, etwa mit einem Elektroauto, einer Wärmepumpe oder einem Batteriespeicher, spart Kosten. Gemäss meinen Simulationen sind bei Haushalten oder Unternehmen mit flexiblen Verbrauchern Einsparungen von bis zu 20,7 Prozent respektive 15,3 Prozent möglich.
Die Umfrage im Rahmen deiner Arbeit zeigt, dass Menschen offen für Energiethemen sind, ihnen aber oft das nötige Wissen fehlt. Wie schaffen wir mehr Auseinandersetzung?
Indem wir mehr darüber sprechen. Gleichzeitig werden Menschen durch Solaranlagen, Wärmepumpen oder Elektroautos selbst Teil des Energiesystems. Wer sieht, wie viel Strom produziert oder verbraucht wird, entwickelt automatisch ein Interesse dafür, wie Energieversorgung funktioniert.
Nun wirst du für deine Arbeit mit dem Nachwuchspreis «Zukunft schreiben» ausgezeichnet. Was bedeutet dir das?
Mich hat die Auszeichnung sehr überrascht und natürlich enorm gefreut. Besonders schön finde ich, dass auch eine technische Arbeit zu einem Energiethema auf diese Weise Anerkennung erhält.
Wie lebst du Energieeffizienz im Alltag?
Meine Familie besitzt kein Auto. Meistens bin ich mit dem Zug, dem Velo oder mit Carsharing unterwegs. Besonders wichtig ist mir, möglichst auf Flugreisen zu verzichten. Ich bin bereits mit dem Zug nach Norwegen, Budapest und Süditalien gereist. Man erlebt unterwegs viel und sammelt Geschichten, die man im Flugzeug verpassen würde.
Engagement von IWB
IWB fördert im Zeichen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie Projekte, die unter anderem in den Bereichen Klima, Mobilität oder Naturschutz Gutes bewirken. «Zukunft schreiben» ist eines dieser Projekte.
Mehr zu unseren Projekten:
iwb.ch/projektfoerderung
Das Programm «Zukunft schreiben»
Das Programm «Zukunft schreiben» fördert nachhaltiges Denken und Handeln bei Jugendlichen der Sekundarstufe II. Im Zentrum steht die schulische Abschlussarbeit: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich intensiv mit selbst gewählten Zukunftsthemen auseinander, hinterfragen bestehende Ansätze und entwickeln eigene Lösungen. Seit 2016 zeichnet das Ökozentrum jährlich vier besonders zukunftsweisende Arbeiten aus und macht diese einem breiten Publikum zugänglich.
Zukunft schreiben» gibt jungen Menschen wie Janno Raum für ihre Ideen und ermutigt sie, neue Lösungen zu entwickeln.
Dabei geht es um mehr als die ausgezeichneten Arbeiten. Junge Talente werden darin bestärkt, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln, kritisch zu denken und Herausforderungen lösungsorientiert anzugehen. Gleichzeitig erfahren sie, dass ihre Ideen gehört und wertgeschätzt werden und dass sie selbst einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten können.
«Die Welt braucht engagierte junge Menschen wie Janno, die aktiv nach neuen Lösungen suchen und den Mut haben, Dinge neu zu denken», sagt Noëmi Preisig, Projektleiterin Ökozentrum.
«Zukunft schreiben» leistet damit einen Beitrag zur Erreichung von Netto-Null: Das Programm verbindet Empowerment, Bildungsarbeit und Klimaschutz und stärkt junge Menschen darin, den Wandel aktiv mitzugestalten. Auch Lehrpersonen werden mit praxisnahen, kompetenzfördernden Angeboten unterstützt.
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