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Klimadreh
Magazin

Energiegeschichten

Sonnenstrom und Denkmalschutz auf dem Voltaplatz

Photovoltaik

Auf dem denkmalgeschützten Unterwerk Volta in Basel produziert neu eine Photovoltaikanlage Solarstrom. Das zeigt: Historisches Stadtbild und moderne Energietechnik lassen sich verbinden.
Das Unterwerk Volta in Basel. Es ist das grösste von sieben Unterwerken von IWB und fast 100 Jahre alt (Inbetriebnahme 1932). Hier fliesst täglich rund ein Fünftel des Stroms von Basel durch. (Fotos: Christian Aeberhard)

Auf dem Dach des denkmalgeschützten Unterwerks Volta in Basel produziert neu eine Photovoltaikanlage Solarstrom für Basel. Das Projekt zeigt, dass auch bestehende Gebäude unter Denkmalschutz für die Energiewende genutzt werden können.

Wer am Voltaplatz ein Bier trinkt oder beim Volta Pong den Schläger schwingt, ahnt kaum, was ein paar Stockwerke höher über seinem Kopf passiert. Auf dem Dach des denkmalgeschützten Gebäudes wird künftig Solarstrom produziert.

Hier oben, rund 16 Meter über den Basler Dächern, stehen Dominic Kimmig und Jens Baumann zwischen 408 neuen, tiefschwarzen Modulen. Sie haben die neue Photovoltaikanlage in den letzten Monaten zusammen mit Partnern geplant und das Projekt begleitet. Seit Juli produziert IWB hier mit der eigenen PV-Anlage nachhaltigen Solarstrom für die Stadt Basel.

Jens Baumann und Dominic Kimmig auf dem Dach des Unterwerks Volta. Seit Juli 2026 produziert die neue Photovoltaikanlage von IWB hier Solarstrom mit einer Leistung von 193,8 kWp.
Jens Baumann und Dominic Kimmig auf dem Dach des Unterwerks Volta. Die neue Photovoltaikanlage von IWB produziert hier Solarstrom mit einer Leistung von 193.8 kWp. (Foto: Christian Aeberhard)

Ein Dach mit doppelter Wirkung

Das Unterwerk Volta ist seit Jahrzehnten ein stiller Helfer in der Basler Stromversorgung. Es ist das grösste von sieben Unterwerken von IWB und existiert seit 1932. Hier wird die elektrische Spannung auf 145 Kilovolt runtertransformiert und über die Schaltanlagen weiterverteilt. Nun liefert es erstmals eigenen Sonnenstrom: Rund 190 000 Kilowattstunden pro Jahr produziert die neue Anlage. Das entspricht dem Verbrauch von etwa 50 Haushalten. Der Strom fliesst ins Basler Netz. Ein Teil davon soll vom Voltabräu direkt vor Ort genutzt werden, dank einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG). Die Energie wird dort produziert, wo sie auch gebraucht wird: bei den Menschen und Betrieben vor Ort.

Sanierung als Chance

Ausgangspunkt des Projekts war eine nötige Sanierung der Gebäude. Durch das Unterwerk fliesst täglich rund ein Fünftel des Stroms von Basel – im Durchschnitt 600 000 Kilowattstunden. Zum Vergleich: ein Zweipersonenhaushalt verbraucht täglich rund sechs Kilowattstunden. Um diese grosse Leistung weiterhin zuverlässig zu erbringen, erneuert IWB bis 2029 sämtliche elektrischen Anlagen und die Gebäudetechnik. 

Statt nur zu erneuern, entschied IWB sich, das Dach auch gleich zur Stromproduktion zu nutzen. So liessen sich Synergien bei Gerüst, Bauplanung und Personal optimal nutzen. Das spart Aufwand, Kosten und Zeit. In einer dicht bebauten Stadt wie Basel sind solche Flächen wertvoll: Sie sind erschlossen, bereits versiegelt und liegen zentral. Für IWB war klar: Wenn saniert wird, dann zukunftsorientiert.

Jens Baumann

Projektleiter

Die Sonne macht keinen Unterschied zwischen alt und neu. Sie schenkt jedem Dach dieselbe Energie.
Im Frühling wurden hier noch Solarmodule verbaut und angeschlossen. Mittlerweile ist die Anlage in Betrieb.
Im Frühling wurden hier noch Solarmodule verbaut und angeschlossen. Mittlerweile ist die Anlage in Betrieb. (Foto: Christian Aeberhard)

Energie im Einklang mit der Historie

Das Unterwerk gehört zu den vielen Gebäuden im Kanton Basel-Stadt, die unter Denkmalschutz stehen. Von Anfang an war allen Beteiligten bewusst: Das wird eine Herausforderung. Das Projektteam suchte gemeinsam mit der kantonalen Denkmalpflege nach einer Lösung, die technologische Effizienz und ästhetische Zurückhaltung kombiniert. Die Lösung: Nicht das ganze Dach wurde belegt, um ein ruhiges, symmetrisches Erscheinungsbild zu erreichen. Im Einsatz stehen nun schwarze, unauffällige Module, die sich harmonisch ins historische Gebäude einfügen. Unser Anspruch war es, trotz der Einschränkungen eine möglichst leistungsfähige und ästhetische PV-Anlage umzusetzen, so Kimmig.

Das Ergebnis ist eine wirtschaftlich sinnvolle Standard-PV-Anlage, leicht angepasst und optisch harmonisch. So bleibt der historische Charakter des Gebäudes sichtbar, während es aktiv zur Energiezukunft beiträgt.

Dominic Kimmig

Projektleiter

Unser Anspruch war es, trotz der Einschränkungen eine möglichst leistungsfähige und ästhetische PV-Anlage umzusetzen.
Die 408 Module aus der Vogelperspektive. Darunter glänzt das frisch sanierte Kupferdach des Unterwerks Volta in Basel.
Die 408 Module aus der Vogelperspektive. Darunter erstrahlt das frisch sanierte Kupferdach in neuem Glanz. (Foto: Christian Aeberhard)

Vorbild für zukünftige Projekte

Beteiligt waren mehrere Partner: Alteno AG für die Fachplanung, Sonnwende GmbH für die Installation und Butz+Werder für den AC-Anschluss. Die Projektleiter Kimmig und Baumann sind zufrieden. Dass heute selbst auf einem historischen Gebäude unter Denkmalschutz Solarstrom produziert wird, zeigt eindrücklich: Photovoltaik entwickelt sich zunehmend zu einer Infrastruktur, die so selbstverständlich ist wie eine Wasserleitung, meint Baumann. Die beiden haben hier bewiesen, dass man mit Engagement und Abstimmung viel bewirken kann, und dass Denkmalschutz und Energiewende Hand in Hand gehen können, ohne das Stadtbild zu beeinträchtigen.

Die PV-Anlage auf dem Unterwerk Volta allein versorgt natürlich nicht die ganze Stadt. Aber sie zeigt, wie die Energiewende in Basel konkret aussehen kann: Strom dort erzeugen, wo Menschen leben und arbeiten: mitten in der Stadt, auf Dächern, die längst Teil des Stadtbilds sind. Mit Respekt vor der Vergangenheit und Blick nach vorn.

Jens Baumann

Projektleiter

Dass heute selbst auf einem historischen Gebäude unter Denkmalschutz Solarstrom produziert wird, zeigt eindrücklich: Photovoltaik entwickelt sich zunehmend zu einer Infrastruktur, die so selbstverständlich ist wie eine Wasserleitung.
sgd
Um die Anforderungen des Denkmalschutzes zu erfüllen, wurde nicht das ganze Dach belegt. Ziel war ein ruhiges, symmetrisches Erscheinungsbild. (Foto: Christian Aeberhard)

Die Anlage auf einen Blick

Module

408 

 auf 816 m²

Leistung

193.8

 in kWp

Jahresproduktion

 190 000

 in kWh

Inbetriebnahme

Juli

2026