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Das Projekt
Zwei unterirdische Hallen für je neun Millionen Liter Trinkwasser
Trinkwasserversorgung
In Allschwil erneuert IWB das Reservoir Herrenweg. Es besteht aus zwei Trinkwasserkammern und ist eines von zehn Reservoiren, die Basel und die Region mit Trinkwasser versorgen. Aktuell wird es auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Die Herausforderung: Während eine Kammer saniert wird, bleibt die andere durchgehend in Betrieb.
Der Herrenweg in Allschwil liegt am Hang. Rundherum sind Wiesen, es grasen die Kühe des nahen Bauernhofs und der Blick fällt auf die unten liegende Stadt Basel, den Rhein und das Dreiland. Mitten in dieser Idylle steht unscheinbar ein kleines Häuschen. Es ist der Eingang zum Reservoir Herrenweg.
Zwei riesige Räume verbergen sich unter der weitläufigen Wiese; neben denen des Reservoirs Bruderholz gehören sie zu den grössten Trinkwasserkammern von IWB. Tritt man ein, findet man sich wieder in einer komplett anderen, unterirdischen Welt. Eine der beiden Kammern ist leer und darum ausnahmsweise begehbar.
Bis vor kurzem war alles noch mit tausenden weissen Keramikfliesen ausgekleidet. Jetzt sieht es hier aus wie in einem Science-Fiction-Film. Die Wände, die Stützen und der Boden sind grau und komplett neu beschichtet. Mit einem Zementmörtel, der nass aufgespritzt und von Hand abgeglättet wird. Seit rund 20 Jahren ist das der Standard zur Instandsetzung von Reservoiren bei IWB. Mittendrin: Jakob Brem und Pascal Brand im Ganzkörperschutzanzug. Denn beim Trinkwasser hat die Hygiene oberste Priorität.
Während auf der einen Seite Plättli abgeschlagen wurden, floss auf der anderen Seite weiter das Trinkwasser ins Netz.
Brem koordiniert für IWB die Bauarbeiten, Brand begleitet die Qualitätssicherung. Ihre gemeinsame Aufgabe: Eine der grössten Trinkwasserkammern von IWB sanieren, während die zweite Kammer weiterhin Basel und die angrenzenden Gemeinden fast durchgehend mit Trinkwasser versorgt. «Während auf der einen Seite Plättli mit einem Spitzroboter abgeschlagen wurden, floss auf der anderen Seite weiter das Trinkwasser ins Netz», sagt Jakob Brem. «Genau darin lag die Herausforderung.»
Warum sanieren, wenn alles gut ist?
Das Reservoir Herrenweg ist ein wichtiger Teil der Basler Trinkwasserversorgung. Insgesamt betreibt IWB zehn Reservoire. Zusammen fassen diese 56.4 Millionen Liter Trinkwasser. Sie gleichen Schwankungen beim Verbrauch aus und helfen, den Druck im Leitungsnetz stabil zu halten. IWB versorgt rund 250 000 Menschen mit Trinkwasser und überwacht laufend die Qualität. Um diese Versorgung auch in Zukunft zuverlässig gewährleisten zu können, erneuert IWB ihre Infrastruktur laufend und nicht erst, wenn Probleme auftreten.
Der Plättli-Belag war beim Bau des Reservoirs 1960 der bewährte Standard für Trinkwasserreservoirs. Und auch nach 65 Jahren war die Trinkwasserqualität immer einwandfrei. Ein Zeichen dafür, wie hoch die Qualität des damaligen Baus war. Doch der Mörtel in den Fugen und hinter den Keramikfliesen ist nach über 60 Jahren intensiver Nutzung am Ende seiner Lebensdauer angelangt. Mit der Zeit könnte er sich aufweichen. Darum wurde bereits 2022 frühzeitig mit der Planung des Umbaus begonnen. Die Sanierung ist Teil einer vorausschauenden Instandhaltung.
Zement statt Fliesen
Die alten Fliesen wurden entfernt und durch eine rund 15 Millimeter dicke mineralische Zementmörtelbeschichtung ersetzt. Sie ist robust, langlebig und bestens geeignet für den Kontakt mit Trinkwasser. Sie ist bereits seit rund sechs Jahren erfolgreich im Pumpwerk Lange Erlen im Einsatz. Ihre alkalische Oberfläche wirkt antimikrobiell und schützt zugleich den darunterliegenden Beton. Da sie in Berührung mit unserem Trinkwasser kommt, muss sie strengen hygienischen Standards entsprechen. Alle wasserberührenden Materialien sind Trinkwasser-zertifiziert.
Auch die Zugänge zu den Wasserkammern und die technische Infrastruktur für Betrieb und Überwachung wurden modernisiert. Die Durchströmung wurde optimiert und der Rohrkeller erneuert. «Nach der Instandsetzung entspricht die Anlage wieder den neuesten Anforderungen», sagt Jakob Brem. «Und sie ist wieder für die nächsten 60 Jahre gerüstet.»
Wenn Baustelle und Trinkwasser Nachbarn sind
Eine Baustelle bedeutet viel Lärm und Staub. Trinkwasser verlangt Hygiene, Kontrolle und Sicherheit. Beides so dicht nebeneinander am Laufen zu halten, war eine Herausforderung. Deshalb wurde die Sanierung eng begleitet.
Wir haben die Arbeiten eng begleitet. Negative Einflüsse der Bauarbeiten auf die Trinkwasserqualität konnten wir absolut keine feststellen.
Unser Trinkwasser gehört in der Schweiz zu den am strengsten überwachten Lebensmitteln. Die gesetzlichen Anforderungen werden vom Bund festgelegt. Zudem sind Trinkwasserproduzenten durch das Lebensmittelgesetzt zur Selbstkontrolle verpflichtet. Bei IWB erfolgt diese im hauseigenen IWB-Wasserlabor. Und auch das Kantonale Labor Basel-Stadt führt regelmässig Stichproben durch. Während der Sanierungsarbeiten gab es regelmässige Begehungen und Wasserproben, in besonders heiklen Bauphasen zeitweise mehrmals wöchentlich. «Wir haben die Arbeiten eng begleitet und waren oft vor Ort», sagt Pascal Brand. «Negative Einflüsse der Bauarbeiten auf die Trinkwasserqualität konnten wir absolut keine feststellen.»
Erst reinigen, dann zurück ans Netz
Bevor die sanierte Kammer wieder ans Netz durfte, wurde sie mehrfach gereinigt, desinfiziert, befüllt, auf Dichtigkeit geprüft und immer wieder die Wasserqualität kontrolliert. Nachdem Ende Mai alle Anforderungen erfüllt waren, ging sie wieder in Betrieb. Die zweite Kammer trägt noch ihr altes Fliesenkleid. Sie wird in der kommenden Wintersaison 2026/2027 ebenfalls saniert.
Im Sommer 2027 soll das Reservoir Herrenweg komplett saniert sein. Die Arbeiten wurden bewusst auf die Wintermonate gelegt. So steht im Sommer, wenn der Wasserbedarf höher ist, die volle Kapazität zur Verfügung. Jakob Brem und Pascal Brand wird die Arbeit hier am Herrenweg also noch eine Weile lang nicht ausgehen.
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