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Menschen & Energie
Mechanische Kunstwerke in Basels Türmen
IWB ist verantwortlich für den Betrieb und die Instandhaltung der öffentlichen Uhren in der Stadt. Darunter sind auch mechanische Kunstwerke wie jene in der Paulus- oder der Elisabethenkirche.
Früher war es der Stadtuhrmacher, heute sind es Thomas Jost, Leiter technische Dienste und sein Team. Sie sorgen dafür, dass die öffentlichen Uhren der Stadt und jene in einigen Kirchtürmen immer die richtige Zeit anzeigen. Insgesamt betreut IWB 750 Uhren an 156 Standorten.
Das ist bei den elektrischen Funkuhren, die in Schulen, Universitäten, Verwaltungen und auf der Allmend hängen, kaum ein Problem, auch wenn es da ebenfalls manchmal zu Störungen kommt. Kompliziert und vor allem spektakulärer ist es mit den 17 mechanischen Turmuhrwerken, etwa im Rathaus, im St. Albantor oder in den Türmen von Paulus- und Elisabethenkirche.
Gewichte, Zahnräder und Hammerschläge
Die wohl engste Wendeltreppe Basels führt in der Pauluskirche in eine riesige Halle, die sich ganz und gar nicht wie ein Kirchturm anfühlt. In einem grossen, verglasten Schrank tickt es leise. Jede Sekunde greift die Ankerhemmung in einen anderen Zahn im Rad, und Dutzende andere Zahnräder drehen sich in winzig kleinen Schrittchen.
Das Pendel schwingt, und ein grosser Apparat aus Gewichten, Pendeln, Drahtseilen und Steuerkurven bewegt sich langsam vorwärts – bis Betrieb ins Uhrwerk kommt. Plötzlich geht alles schnell und wird sehr laut. Das Werk löst den Schlag für den Viertelstundenschlag aus. Und dann wird es wieder ganz leise, während meterlange Achsen die Zeiger am Turm langsam bewegen.
Elektrifizierte Schwerkraft
Angetrieben wird das System durch Schwerkraft – das Uhrwerk von fussballgrossen Gewichten, die im Werk hängen, und das Schlagwerk von mannshohen Gewichten, die im Turm mehrere Meter weit runter und wieder hochfahren. Am tiefsten Punkt angekommen, betätigen sie über einen langen Hebel einen Schalter. Dieser aktiviert einen Elektromotor und zieht die Gewichte wieder hoch.
Bevor die Schlagwerke elektrifiziert wurden, mussten der Stadtuhrmacher, seine Gehilfen oder auch die Messner der Kirchen die Gewichte jeweils noch von Hand buchstäblich aufziehen.
Ist Ihnen etwas aufgefallen?
Läuft eine Uhr nicht richtig? Zeigt sie die falsche Zeit an, oder ist sie stehen geblieben? Auf der IWB Störfallnummer
0800 400 800
können Sie uns das gerne melden. Wir sind dankbar für Ihren Hinweis.
Mechanische Wunderwerke
Mit Stellschrauben an Pendeln, Gewichten und Federn lassen sich die Uhrwerke genau justieren. Thomas Jost ist, wie auch die anderen Mitglieder seines Teams, gelernter Polymechaniker und liebt diese mechanischen Wunderwerke. «Es ist wahnsinnig spannend, sich in die Funktionsweise dieser Uhren hineinzudenken», erzählt er. Und auch dem geübten Mechanikerauge erschliesst sich nicht immer sofort jede Funktion: «Manchmal suchen wir stundenlang nach einem Fehler und dann ist die Ursache eine Mutter, die sich gelöst hat.»
Morgestraich, streng geheim
Thomas Jost liebt solche Dinge. «Wir können in unserer Werkstätte sogar Ersatzteile für diese alten Uhren fräsen», erzählt er. «Ich komme bei meiner Arbeit so an Orte mitten in Basel, welche die meisten Menschen gar nie sehen.» Und er ist auch für das wichtigste Zeitsignal der Stadt verantwortlich: «Wenns am Mäntig vieri schloot» – den Auslöser zum Morgestraich. Aber er sagt nicht, wo diese Uhr steht, welche die drei schönsten Tage Basels startet. Das ist streng geheim.
Alte Uhren, elektronisch frisiert
Von 1870 bis 1986 steuerte die Mutteruhr des Stadtuhrmachers vom «Zythüsli» am Nadelberg 11a aus mit elektrischen Signalen Dutzende öffentliche Uhren. Heute macht das ein Funksignal. Damit lassen sich, dank ein paar elektromechanischen Tricks, auch die weit über hundert Jahre alten mechanischen Turmuhren genau steuern.
Die Gewichte und Stellschrauben sind so austariert, dass das Pendel leicht vorgeht. Trotzdem gehen die Uhren extrem genau. Thomas Jost zeigt einen Elektromagneten, der mit der Modernisierung von 2013 montiert wurde: «Sobald der Vorsprung des Pendels auf die Funkuhr vier Sekunden beträgt, hält der Magnet das Pendel an und lässt es dann gemäss dem Funksignal auf den Sekundenbruchteil genau wieder los. Das geschieht mehrmals pro Minute», erklärt er.
Einfachere Zeitumstellung dank Magneten
Mit dieser elektronischen Pendelsynchronisation ist auch die Zeitumstellung im Frühling und Herbst viel einfacher geworden. Früher musste das Uhrenteam die 17 Turmuhren der Stadt von Hand umstellen. Heute hält der Magnet das Pendel im Frühling während elf Stunden und im Herbst während einer Stunde fest, um die Uhr eine Stunde vor – oder zurückzustellen.
Auch die Nachtblockade für den Glockenschlag funktioniert mit einer geschickten Kombination von alter Mechanik und Moderne. Die mechanische Steuerung löst den Hammerschlag auf die Glocken zwar aus, doch kleine, vom Funksignal elektronisch betätigte Blockierstifte an den schmiedeeisernen Hämmern im Glockenstuhl verhindern, dass die Glocken wirklich angeschlagen werden.
«Mein App ist die Basler Bevölkerung»
Trotz den elektronischen Steuerungen gibt es keine zentrale Überwachung der Uhren. «Das ist auch nicht nötig», lacht Thomas Jost. «Kaum läuft eine Uhr nicht oder schlägt eine Kirche falsch, ruft sicher jemand an.». Denn App, Smartwatches und Smartphones hin oder her, die Uhren auf Allmend, Kirchtürmen, Stadttoren und Schulhäusern werden geschätzt und beachtet. Und Thomas Jost und seine Mitarbeiter geniessen ihre Rolle als moderne Stadtuhrmacher.
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