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Klimadreh
Magazin

Energiegeschichten

Photovoltaik im Dezember: vom Himmel hoch

Ehepaar Weidmann steht vor ihrem Haus in Füllinsdorf
Ein Ehepaar holt sich Photovoltaik aufs Dach und auch an die Fassade. Das Ergebnis ist eine schöne Bescherung!  (Foto: Timo Orubolo)

Wenn die Tage besonders kurz werden, nutzen die Menschen jeden Sonnenstrahl, den sie erhaschen können. Die Weidmanns machen noch etwas mehr draus: Photovoltaik vom Dach und von der Fassade.

Nervös blinkt das Lämpchen auf dem kleinen Windrad; die ganze Apparatur taumelt im Wind. Die Regenwolken liegen tief über Füllinsdorf, überall kleben Tropfen an den Fensterscheiben. Es ist ein Dezembermittwoch, wie man ihn sich vorstellt. Bald ist der kürzeste Tag des Jahres. Und wir haben vor, die Solaranlage von Sonja und Renatus Weidmann zu besichtigen. Sind dies wirklich die besten Bedingungen dafür? Die Solarpanels jedenfalls hat man schon von der Strasse aus gesehen, die stummen schwarzen Panels. Vermutlich sind auch sie nass, dabei soll der Himmel ihnen doch Sonne schenken. Hinter dem Windrad liegt die Haustür. Wir klingeln.

Solarpanels am Chemiker-Haus

Das Paar begrüsst uns, bietet Finken an und bittet an den Tisch mit Blick über das Ergolztal. Zeit, die Finger kurz aufzuwärmen und sich über das Haus erzählen zu lassen – und natürlich über die neue Photovoltaikanlage. Die erzeugt sogar an der Fassade Strom, was im Einfamilienhausbereich noch vergleichsweise selten ist. Vor genau dreissig Jahren hätten sie das Haus gekauft, erinnert sich Renatus Weidmann. «Ein Basler Chemiker hat es 1974 gebaut. Als wir eingezogen sind, waren unsere Kinder noch nicht auf der Welt.»

Sonja Weidmann

Eigentümerin in Füllinsdorf

Die Zeit ist jetzt einfach da. Da muss man nicht mehr lange diskutieren.

 

Die Weidmanns, die sich in Basel beim Studium kennengelernt haben, wachsen hier zur Familie heran, machen sich das Haus zu eigen, nehmen immer wieder Anpassungen vor. Inzwischen sind die Kinder erwachsen und ausgezogen. Doch Sonja und Renatus Weidmann sind geblieben.

Die Neunziger und die Sonne

«Wir hatten regelmässig etwas erneuert. Zuletzt die Fenster», sagt Sonja Weidmann. Und so haben sie und ihr Mann schliesslich das Dach erneuert, wobei der Auslöser der Wunsch war, endlich eine Solaranlage zu installieren. Für Sonja Weidmann eine klare Sache: «Die Zeit ist jetzt einfach da. Da muss man eigentlich nicht mehr lange diskutieren.» Ihr Mann ergänzt: «Wobei wir auch schon vorher eine Solaranlage hatten, einfach eine thermische.» Die haben die Weidmanns Ende der Neunzigerjahre gekauft. «Das schien uns damals die bessere Art, Sonnenenergie zu nutzen.» Photovoltaik sei bereits ein Thema gewesen, aber die Anlagen noch zu teuer. Er lacht und meint: «Ich habe dann stattdessen Aktien einer Solarfirma gekauft.»

Schon das zweite Mal Photovoltaik

Energie, ja die beschäftige ihn, meint Renatus Weidmann. Und er habe bereits eine andere Photovoltaikanlage bauen lassen, auf dem Elternhaus in Dornach. «Dort mussten wir ein altes Eternitdach ersetzen und haben es vollflächig mit Solarpanels bedeckt.» Auch dort seien sie überzeugt gewesen von der Notwendigkeit, in Photovoltaik zu investieren.

Familie Weidmann blickt zu ihrer Fassaden Photovoltaik Anlage.
Einfamilienhäuser mit Solarfassaden gibt es noch nicht so viele in der Schweiz. Dabei gäbe es unzählige Häuser wie dasjenige der Weidmanns. (Foto: Timo Orubolo)

«Man kann das natürlich auch rein kommerziell betrachten. Dann ist es ein Investment, das irgendwann einen Gewinn abwirft. Aber Sinn ergibt eine Anlage heutzutage auch so.»

Es funkelt in der Nachbarschaft

An ihrem eigenen Haus haben die Weidmanns aber nicht nur auf dem Dach Panels, sondern auch an einem Streifen an der Westfassade. Sonja Weidmann strahlt: «Das war meine Idee. Und ein bisschen stolz bin ich schon darauf.» In der Nachbarschaft gebe es ein Haus mit Panels am Balkon, das ihr aufgefallen sei. «Jedes Mal, wenn man vorbeiläuft, glitzern sie in der Sonne.» Am eigenen Haus hatte sie den geeigneten Ort für solche Panels schnell ausgemacht. «An der Westfassade hatten wir diesen getäferten Abschnitt direkt unter dem Dach – ein typisches Siebzigerjahrehaus eben.»

Das Holz war alt und morsch geworden und hätte erneuert werden müssen. «Also haben wir unseren Solarplaner gefragt, ob er uns auch noch dafür eine Lösung findet», erzählt sie. «Die ersten Vorschläge hatten eine Standardkonstruktion, die viel zu gross und markant war.» Als ihr Planer eine individuelle Metallkonstruktion entworfen hatte, an der noch dazu komplett schwarze Panels befestigt werden sollten, hat es dann gepasst.

Der Energiehaushalt mit Photovoltaik

Ein grossflächig eingedecktes Ost-West-Dach, dazu noch eine kleine Fassadenanlage – Weidmanns können auf viel Solarstrom hoffen. Doch was tun sie damit? «Wir haben die Anlage ja erst seit knapp drei Monaten», erklärt -Renatus Weidmann. «Momentan speisen wir sehr viel Strom ins Netz ein. Das wird sich aber nächstes Jahr ändern, wenn wir eine Wärmepumpe installieren lassen.» Auch über ein E-Auto hätten seine Frau und er diskutiert. «Aber das wird erst später ein Thema.» Ihr aktuelles Auto sei noch intakt und sie würden es ohnehin nur wenig nutzen. «Ich fahre bei jedem Wetter mit dem Velo zur Arbeit, und meine Frau nimmt den Zug.»

Sie nutzen die Sonne, wo sie können

Durchs Wohnzimmerfenster zeigen sich erste helle Risse im dunklen Wolkengestrüpp. Vor dem Haus tanzen die Windräder noch immer wild. Wetter für die warme Stube. «Wir haben einige Dinge getan, damit es hier drin angenehmer ist», erklärt Sonja Weidmann. Das Cheminée durch ein kompakteres Modell ersetzt, das dafür Speichersteine hat. Ebenso die Fenster. «Bei den grossen Fensterflächen merkt man den Unterschied. An sonnigen Wintertagen sind die Radiatoren fast kalt. Auch der Wintergarten, den mein Mann vor das Fenster gebaut hat, ist jetzt statt von innen höchstens von aussen zu warm.» Dafür sei nun ein Temperaturfühler installiert. «Eine Idee meines Mannes; er ist der Tüftler bei uns. Auch die Windräder draussen sind sein Werk.»

Renatus Weidmann

Eigentümer in Füllinsdorf

Es ist erstaunlich, wie viel Solarstrom sogar bei schlechtem Wetter drinliegt.

 

Glänzendes Dezemberwetter

Die Wolken ziehen immer weiter auf, doch die Sonne ist noch immer verdeckt. Jetzt wollen wir es trotzdem wissen: Wie viel Strom produziert die Solaranlage an so einem Wintertag, der mit Sonnenlicht geizt? Im Keller hängen die Wechselrichter für die beiden Anlagen, Dach und Fassade. Renatus Weidmann liest ab: «2,37 Kilowatt, und das nur vom Dach!» Für einen Backofen würde das reichen, für die Kaffeemaschine allemal. 17 Kilowatt leistet die Anlage insgesamt, theoretisch sogar mehr, aber man habe sie abgeregelt, sonst hätte der Netzanschluss verstärkt werden müssen. «Für uns reicht der Strom auch so. Und es ist schon erstaunlich, was sogar bei schlechtem Wetter drinliegt. Wir kennen ja nur die Daten von November bis heute», meint Renatus Weidmann, während wir wieder die Treppe hinaufsteigen.

Sonnenwende

Und dann ist sie plötzlich da. Ein breites Wolkenloch hat sich über die Jurahöhen geschoben, die Sonne strahlt flach ins Wohnzimmer. Schnell gehen wir nach draussen, und tatsächlich: Die Fassadenpanels werden angestrahlt, tausend Regentropfen funkeln im Winterlicht. Sogar die Windräder stehen kurz still, als ob auch sie ein Sonnenbad nähmen. Sonja und Renatus Weidmann erklären mit Blick über das Ergolztal einzelne Landmarken. Dann beeilen wir uns, wieder rein in die Wärme zu kommen.

Blick auf das Haus der Weidmanns vom Dorf unten.  (Foto: Timo Orubolo)
Das Haus der Weidmanns (Bildmitte unten) in Füllinsdorf. Genügend Flächen für Photovoltaik gibt es nicht nur hier.

Schöne Aussichten für die Schweiz

Und während draussen die Sonne mit den Wolken kämpft und selbst an diesem garstigen Wintertag genug Strom für drinnen produziert, fragt man sich unweigerlich: Was, wenn alle Häuser in der Schweiz eine Solaranlage hätten? Was, wenn die Mehrheit der Bevölkerung so wie die Weidmanns handelten? Viele Studien haben sich inzwischen damit beschäftigt, wie viel Solarstrom die fast 1,8 Millionen Wohngebäude der Schweiz produzieren könnten. Die Ergebnisse reichen von 16 bis 53 Terawattstunden jährliche Solarstromproduktion. Das ist zwischen einem Viertel und fast dem gesamten heutigen Jahresverbrauch. Aktuell scheint eine Zahl am oberen Ende dieser Skala realistisch. Die nutzbare Dachfläche – nicht nur von Wohngebäuden – könnte 440 Quadratkilometer betragen. Nicht Meter, Kilometer. Fassaden nicht einmal eingerechnet. Schöne Aussichten, eigentlich.

Es ist genug da

Da Renatus Weidmann zu einem Termin muss, verabschieden wir uns. Draussen hat die Sonne den Kampf gewonnen, nur der Wind ist zurück. Renatus Weidmann steigt auf sein Velo und fährt vorbei an der Einfahrt, wo noch die abmontierten alten Sonnenkollektoren stehen. Im oberen Stock sitzt Sonja Weidmann im Lesestuhl, beschienen von der Mittagssonne. Die Panels glänzen, hier und in der Nachbarschaft. Übermorgen ist der kürzeste Tag des Jahres. Licht ist genug da.

Eignet sich Ihr Haus? 

Dass Solaranlagen nicht nur auf Dächer, sondern auch an Wände gebaut werden können, entdecken immer mehr Bauherrinnen und Bauherren. Der Vorteil der vertikalen Anbringung der Panels: Sie nutzen das flache Sonnenlicht in den Wintermonaten besser und können über das Jahr einen ausgeglicheneren Ertrag erzielen. Ob auch Ihr Haus geeignete Fassaden hat, erfahren Sie im Onlinetool des Bundes: sonnenfassade.ch