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Solaranlage

Eigenverbrauch bei PV-Anlage – 6 Hebel für die volle Sonnenausbeute

Ratgeber

Mann steckt Wäsche in Waschmaschine. Er nutzt den eigenen Solarstrom seiner PV-Anlage.

Wer eine Solaranlage betreibt, will möglichst viel des selbst erzeugten Stroms auch selbst nutzen. Dieser Ratgeber erklärt, was der Eigenverbrauch bei einer PV-Anlage bedeutet, wie Sie Ihre Eigenverbrauchsquote mit sechs konkreten Hebeln steigern – von der einfachen Lastverschiebung über Heimspeicher und Wärmepumpe bis hin zu Gemeinschaftsmodellen wie ZEV, vZEV und LEG.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein hoher Eigenverbrauchsgrad lohnt sich langfristig, auch wenn die Anlage grösser dimensioniert ist.

  • Smart Meter, Batteriespeicher oder ZEV ermöglichen gezielte Nutzung und Speicherung des erzeugten Solarstroms.

  • Ein Batteriespeicher speichert überschüssigen Strom für Verbrauch am Abend oder bei schlechtem Wetter.

  • Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV) ermöglichen Nutzung durch mehrere Bewohner oder Einheiten.

  • Eine professionelle Beratung hilft, den Eigenverbrauchsgrad optimal auf Verbrauch und Anlage abzustimmen.

Was bedeutet Eigenverbrauch bei einer PV-Anlage?

Eigentlich klingt es simpel: Der Strom, der oben auf dem Dach produziert wird, soll unten im Haus verbraucht werden. Rein physikalisch ist das auch so – Strom folgt dem Weg des geringsten Widerstands und versorgt zunächst die nächstgelegenen Geräte, bevor er ins Netz fliesst.

Seit dem Energiegesetz von 2018 ist der Eigenverbrauch auch rechtlich verankert: Produziert die PV-Anlage genau so viel, wie im gleichen Moment verbraucht wird, fallen keine Energiekosten beim Versorger an. Überschuss fliesst ins Netz und wird vergütet. Fehlende Energie wird aus dem Netz bezogen.

Eigenverbrauchsgrad und Autarkie

Aber Achtung: Eigenverbrauch ist nicht gleichbedeutend mit Autarkie. Wer einen hohen Eigenverbrauchsgrad hat, kann unter Umständen immer noch auf sehr viel Strom aus dem Netz angewiesen sein – etwa, weil die Photovoltaikanlage zu klein dimensioniert ist oder nachts viel Energie benötigt wird. Grundsätzlich lohnt es sich, einen grossen Teil des eigenen Strombedarfs mit einer Solaranlage abzudecken, auch wenn dadurch der Eigenverbrauchsgrad etwas sinkt. Eine Beratung hilft, das Optimum aus der eigenen Solaranlage herauszuholen.

Eigenverbrauchsgrad Autarkiegrad
Anteil des selbst produzierten Stroms, der direkt vor Ort verbraucht wird.  Beispiel: Anlage produziert 8.000 kWh/Jahr, davon werden 5.000 kWh selbst verbraucht → Eigenverbrauchsgrad = 62,5 % Anteil des Gesamtstrombedarfs, der durch die eigene PV-Anlage gedeckt wird.  Beispiel: Jahresbedarf 7.000 kWh, davon kommen 5.000 kWh aus PV → Autarkiegrad = 71 %

 

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In wenigen Klicks erhalten Sie kostenlos eine erste Schätzung Ihrer eigenen Solaranlage inkl. dem erwarteten Eigenverbrauch.

Warum lohnt sich ein hoher Eigenverbrauchsgrad?

PV-Strom kostet in der Eigenproduktion 8-12 Rappen pro Kilowattstunde – deutlich weniger als der aktuelle Netzstrompreis von 28 Rappen. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ersetzt damit teuren Netzstrom durch günstige Eigenproduktion.

Der eigentliche Hebel liegt aber in der Differenz zur Einspeisevergütung: Wer überschüssigen Strom ins Netz einspeist, erhält dafür nur 14 Rappen pro Kilowattstunde (Beispiel des Kanton Basel-Stadt. Tarife variieren schweizweit deutlich). Wer denselben Strom stattdessen selbst nutzt, spart sich den Netzbezug zu 28 Rappen. Diese Differenz von 14 Rappen pro Kilowattstunde ist der finanzielle Grund, warum sich Eigenverbrauch gegenüber reiner Einspeisung lohnt – unabhängig von der Anlagengrösse.

Rechenbeispiel: Haushalt mit 10 kWp PV-Anlage (Jahresertrag ca. 10 000 kWh)

Szenario Eigenverbrauch Jahresnutzen
Ohne Massnahmen 35% 1890 CHF
Mit Lastverschiebung 45% 2030 CHF
Mit Speicher 70% 2380 CHF
Mit Speicher + Energiemanagementsystem 80% 2590 CHF

 

Basis: Netzstrompreis 28 Rp./kWh, Einspeisevergütung 14 Rp./kWh Die Differenz zwischen tiefstem und höchstem Eigenverbrauchsgrad macht hier rund 700 CHF pro Jahr aus – über 20 Jahre Anlagenlaufzeit sind das 14.000 CHF. Je höher die Einspeisevergütung, desto kleiner zwar der Vorteil pro Kilowattstunde – die Optimierung lohnt sich aber bei jedem Tarifniveau.

Sechs Wege, den Eigenverbrauch Ihrer PV-Anlage zu erhöhen

Der Eigenverbrauchsgrad lässt sich mit verschiedenen Massnahmen steigern – je nach Ausgangslage greifen sie unterschiedlich stark und lassen sich kombinieren. Hier sind sechs wirksame Hebel:

Hebel 1: Lastverschiebung – Verbrauch zur Sonne verschieben

Der einfachste und günstigste Ansatz: Stromintensive Geräte gezielt tagsüber betreiben, wenn die PV-Anlage auf Hochtouren läuft. Rein durch kluge Nutzungszeiten lässt sich der Eigenverbrauchsgrad ohne Investitionen um 5-15 Prozentpunkte steigern.

  • Waschmaschine und Geschirrspüler zwischen 10 und 15 Uhr laufen lassen
  • E-Auto tagsüber zuhause laden statt nachts
  • Trockner nach der Waschmaschine – noch während die Sonne scheint
  • Haushaltsgeräte mit Startzeitverzögerung oder App-Steuerung nutzen

Hebel 2: Wärmepumpe und Warmwasser als thermischer Speicher

Einer der günstigsten und am häufigsten unterschätzten Hebel: Wer eine Wärmepumpe oder einen elektrischen Warmwasserboiler besitzt, hat bereits einen thermischen Speicher im Haus. Solarüberschuss kann gezielt für die Warmwasserbereitung oder die Heizungsunterstützung genutzt werden – der Speicher ist dabei das Warmwasser oder die Gebäudemasse selbst.

Das Prinzip nennt sich Power-to-Heat: Überschüssiger PV-Strom wird in Wärme umgewandelt und gespeichert. Im Vergleich zu einem Batteriespeicher ist der Wirkungsgrad beim Verbrauch etwas geringer, aber die Investitionskosten sind deutlich tiefer – oft reicht eine einfache Steuerungseinheit.

  • Warmwasserboiler auf Solarüberschuss konfigurieren (SG-Ready-Schnittstelle)
  • Wärmepumpe Warmwasser-Modus tagsüber aktivieren
  • Heizung tagsüber leicht höher einstellen – Gebäude als Puffer nutzen
  • Kombination mit EMS: automatische Steuerung je nach Solarproduktion

Vorteil gegenüber Batteriespeicher

Günstig nachrüstbar, wartungsarm und keine Degradation über die Zeit. Besonders attraktiv für Haushalte, die noch keinen Batteriespeicher haben, aber bereits eine Wärmepumpe betreiben.

Hebel 3: Heimspeicher – Solarstrom für Abend und Nacht speichern

Eine PV-Anlage produziert Strom dann, wenn die Sonne scheint – nicht unbedingt dann, wenn er gebraucht wird. Ein Heimspeicher löst dieses Problem: Überschüssiger Solarstrom wird zwischengespeichert und abends oder bei schlechtem Wetter abgerufen.

 

Was ein Heimspeicher bringt

  • Eigenverbrauchsquote steigt von typisch 30-40% auf 60-80%
  • Jede gespeicherte kWh ersetzt teuren Netzstrom (Ersparnis: 15-22 Rp./kWh)
  • Autarkiegrad steigt erheblich – weniger Abhängigkeit von Netzpreisen
  • Kombinierbar mit Wärmepumpe, E-Auto-Ladestation und EMS
  • Lastspitzen kappen, Eigenverbrauch maximieren, Netzkosten senken

Hebel 4: Energiemanagementsystem (EMS) – intelligent steuern

Wer bereits PV, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox besitzt, verschenkt ohne Steuerung erhebliches Potenzial. Ein Energiemanagementsystem (EMS) koordiniert alle Komponenten automatisch: Es weiss, wann die Anlage wie viel produziert, wann welche Geräte Strom benötigen – und optimiert den Eigenverbrauch in Echtzeit.

  • Automatische Steuerung von Speicher, Wallbox und Wärmepumpe
  • Nutzung günstiger Börsenstromstunden für flexible Lasten
  • Visualisierung von Produktion, Verbrauch und Einsparung in Echtzeit
  • Bis zu 700-1000 CHF Zusatzersparnis pro Jahr – ohne neue Hardware

Wie ein Eigenheim durch den Einsatz eines Energiemanagementsystems (EMS) zum modernen Energiehaus wurde, zeigt dieses Praxisbeispiel.

Praxisbeispiel: Wie alles zusammenspielt

Hebel 5: Bidirektionales Laden (V2H) – das E-Auto als fahrbarer Speicher

Wer ein Elektroauto besitzt, hat potenziell einen der grössten Speicher im Haushalt – die Fahrzeugbatterie. Mit bidirektionalem Laden (Vehicle-to-Home, V2H) kann das E-Auto nicht nur geladen, sondern auch als Stromspeicher genutzt werden: Tagsüber lädt es sich mit Solarstrom, abends oder nachts gibt es den Strom zurück ins Haus.

Viele neue E-Auto-Modelle unterstützen bereits V2H oder werden es in naher Zukunft tun. In Kombination mit einer kompatiblen Wallbox und einem EMS entsteht so ein intelligentes Gesamtsystem, das den Eigenverbrauchsgrad auf 75-90% steigern kann – ohne zusätzlichen stationären Batteriespeicher.

  • Solarstrom tagsüber im Fahrzeug speichern, abends ins Haus zurückspeisen
  • Fahrzeugbatterie typisch 40-100 kWh – deutlich grösser als Heimspeicher (5-15 kWh)
  • Kompatible V2H-Wallbox erforderlich (IWB Ladestation Eigenheim)
  • EMS koordiniert Laden, Entladen und Eigenverbrauch automatisch
  • Auch sinnvoll ohne stationären Speicher – oder als Ergänzung dazu

Hebel 6: Gemeinschaftsmodelle – ZEV, vZEV und LEG

Was für einzelne Haushalte gilt, lässt sich auch auf Mehrfamilienhäuser und ganze Quartiere ausweiten. Seit 2018 (ZEV) bzw. 2025/2026 (vZEV und LEG) ermöglicht die Schweizer Gesetzgebung verschiedene Formen der gemeinschaftlichen Solarstromnutzung.

 

In unserem Ratgeber zu "Strom teilen" finden Sie alle relevanten Informationen zu den verschiedenen Gemeinschaftsmodellen.

 

Was ist ein sinnvoller nächster Schritt für Sie?

Ihre Situation Empfohlener nächster Schritt
Noch keine Solaranlage Solaranlage als Einstieg. Die Dimension lässt sich am einfachsten mit einer kostenlosen Erstberatung festlegen.
Solaranlage vorhanden, ohne Speicher und ohne Wärmepumpe Wärmepumpe/ Boiler auf Überschusssteuerung konfigurieren.
Solaranlage vorhanden ohne Speicher Speicher nachrüsten. Der Eigenverbrauch steigt deutlich.
Solaranlage + E-Auto Vehicle-to-Home-fähige Wallbox prüfen. Fahrzeugbatterie kann so als Speicher genutzt werden.
Solaranlage + Speicher, jedoch unkoordiniert Energiemanagementsystem installieren. 20-30% zusätzliches Potzenzial ohne neue Hardware. 
Mehrfamilienhaus/ Gewerbeliegenschaft ZEV oder vZEV oder LEG einrichten. IWB übernimmt die Abrechnung komplett. 
Quartier/ Gemeinde/ kein eigenes Dach LEG (IWB Solarpool). Lokal erzeugten Solarstrom nutzen ohne eigene Anlage
Noch eine fossile Heizung Wärmepumpe + Solaranlage. Grösster Gesamthebel zur Kostensenkung

 

Häufige Fragen zu Solaranlage Eigenverbrauch

Ohne besondere Massnahmen gelten 30-40% als typischer Eigenverbrauchsgrad. Mit Lastverschiebung sind 40-50% erreichbar, mit einem Heimspeicher 60-80%. Die Kombination aus Speicher, EMS und bidirektionalem Laden (V2H) kann den Wert auf 80-95% steigern. In einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) oder einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) sind unter günstigen Bedingungen bis zu 100% möglich

Es gibt sechs Hebel, die sich kombinieren lassen: (1) Lastverschiebung – stromintensive Geräte auf die Sonnenstunden legen; (2) Wärmepumpe / Warmwasserboiler als thermischen Speicher nutzen (Power-to-Heat); (3) Heimspeicher nachrüsten; (4) Energiemanagementsystem (EMS) für automatische Steuerung; (5) Bidirektionales Laden mit dem E-Auto (V2H); (6) Zusammenschluss mit Nachbarn über ZEV, vZEV oder LEG.

Power-to-Heat bezeichnet die Umwandlung von überschüssigem Solarstrom in Wärme – zum Beispiel für Warmwasser oder Heizungsunterstützung. Der Wärmespeicher (Boiler, Pufferspeicher, Gebäudemasse) speichert die Energie für spätere Nutzung. Im Vergleich zu einem Batteriespeicher ist Power-to-Heat günstiger nachrüstbar und wartungsarm. Besonders geeignet für Haushalte mit Wärmepumpe oder elektrischem Boiler.

Beim bidirektionalen Laden (Vehicle-to-Home, V2H) wird das E-Auto tagsüber mit Solarstrom geladen und gibt den gespeicherten Strom abends oder nachts ins Haus zurück. Da E-Auto-Batterien typisch 40-100 kWh fassen – also deutlich mehr als ein Heimspeicher mit 5-15 kWh – kann V2H den Eigenverbrauch auf 75-90% steigern, ohne dass eine separate stationäre Batterie nötig ist. Voraussetzung: ein V2H-fähiges Fahrzeug und eine kompatible Wallbox.

In den meisten Fällen ja: Ein Heimspeicher steigert den Eigenverbrauchsgrad von 30-40% auf 60-80%. Jede zusätzlich selbst genutzte kWh spart 15-22 Rappen gegenüber dem Netzbezug. Wer bereits ein V2H-fähiges E-Auto hat oder plant, sollte allerdings prüfen, ob das Fahrzeug als Speicher ausreicht – das ist oft günstiger als ein zusätzlicher stationärer Speicher.

Der Eigenverbrauchsgrad misst, wie viel des selbst produzierten Stroms auch selbst genutzt wird. Der Autarkiegrad misst, wie viel des Gesamtstrombedarfs durch die eigene Anlage gedeckt wird. Eine kleine Anlage kann einen hohen Eigenverbrauchsgrad haben, aber trotzdem auf viel Netzstrom angewiesen sein. Für die Praxis wichtiger ist der Autarkiegrad – er zeigt, wie unabhängig man wirklich ist.

Der ZEV (seit 2018) gilt für ein einzelnes Gebäude. Der virtuelle ZEV (vZEV, seit 2025) erweitert das Modell auf Nachbargebäude ohne eigene Anlage. Die lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG, seit 2026) erlaubt den Stromhandel innerhalb eines ganzen Quartiers oder einer Gemeinde – auch ohne eigene Solaranlage. Je grösser der Verbund, desto mehr Potenzial, aber auch mehr Koordinationsaufwand. IWB übernimmt diesen mit dem Solarpool.

Bei einem Jahresertrag von 7000 kWh und einem Eigenverbrauchsgrad von 35% statt optimierten 70% fliessen rund 2450 kWh mehr ins Netz, die nur mit 6-10 Rp./kWh vergütet werden statt mit 28 Rp./kWh als Eigenverbrauch zu sparen. Das ergibt eine jährliche Differenz von ca. 450-540 CHF – über 20 Jahre rund 9000-11000 CHF.