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Zusammen in die Netto-Null-Welt

Die Klimaerwärmung betrifft alle. Doch wie sollten wir und insbesondere Unternehmen handeln? Fragen, die Thomas Vellacott nur zu gut kennt.

Text: Paul Drzimalla; Fotos: Timo Orubolo

 

 

Herr Vellacott, als Laie die Situation ums Klima einzuschätzen, ist schwierig: dramatische Naturereignisse auf der einen Seite, immer mehr Akteure, die das Ziel Nullemissionen verfolgen, auf der anderen. Was überwiegt: Verzweiflung oder Hoffnung?

Weder noch. Wichtig ist, dass man beides sieht. Einerseits war die Situation noch nie so dramatisch. Anderseits gibt es eine bisher ungesehene Dynamik von Akteuren, die handeln. Ob wir es schaffen oder nicht, ist schwer zu beantworten, denn es gibt im Klimasystem sogenannte Tipping Points. Diese haben eine grosse Wirkung, wir wissen aber nicht, wann sie eintreten. Zum Beispiel der auftauende Permafrost, der das hochwirksame Klimagas Methan freisetzt. Doch egal, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass wir die Klimaziele erreichen – ich mache immer das Gleiche: nämlich alles, damit wir es schaffen.

 

Lange hiess es, die Politik stehe beim Klimaschutz in der Pflicht. Nun ertönt der Ruf, auch Unternehmen sollten Verantwortung übernehmen. Zu Recht?

Zunächst muss man sagen, dass die Wirtschaft nicht erst seit gestern handelt. Erste Unternehmen haben schon vor 20 Jahren Massnahmen gegen den Klimawandel ergriffen. Leider gibt es heute die Tendenz, dass jeder mit dem Finger auf den anderen zeigt. Die einen fordern, dass der Staat handelt, die anderen sagen, nur freiwillige Massnahmen bringen etwas. Aus unserer Sicht muss es eine Kombination sein. Die Wirtschaft handelt, aber sie braucht auch Rahmenbedingungen, welche die Politik vorgibt. Die Politik kann sie besser vorgeben, wenn es bereits Firmen gibt, die als Pioniere vorausgegangen sind. Beides sollte man nicht gegeneinander ausspielen.

 

Was sollten Unternehmen denn tun?

Zunächst, sich Ziele setzen, wie sie zu Nullemissionen kommen. Wenn ein Unternehmen Erfolg haben will, braucht es ein Geschäftsmodell, das in einer Netto-Null-Welt funktioniert. Dann braucht es einen Weg, um schrittweise dorthin zu kommen. Oft sind die Lösungen bekannt: den Energieverbrauch senken, andere Produkte auf den Markt bringen. Manchmal müssen Unternehmen aber experimentieren und beobachten, wo sie am meisten bewirken können. Wichtig ist, die ganze Wertschöpfungskette zu betrachten: Was kann man bei den Zulieferern erreichen, wie die Konsumenten unterstützen?

 

Haben wir denn Zeit, zu experimentieren? In 30 Jahren wollen wir Nullemissionen haben.

Das ist richtig. Und in vielen Bereichen muss man nicht experimentieren, sondern einfach investieren. Wir wissen insbesondere, dass wir aus den fossilen Brennstoffen aussteigen müssen. Finanzierbare Lösungen hierfür sind auf dem Markt. Experimentieren macht aber Sinn, wenn es darum geht, neue Geschäftsmodelle zu erproben.
 

Der WWF hat Partnerschaften mit Unternehmen. Was bringen diese?
Wir können unser Fachwissen zur Verfügung stellen, wenn es darum geht, einen Absenkpfad bei den Emissionen zu definieren. Wir wenden auch nie eine reine Klimaoptik an, sondern eine allgemein-ökologische und eine soziale. Ich bin überzeugt, dass wir den Weg zu Netto-Null nur schaffen, wenn wir über Sektorgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Und wir als WWF können helfen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen und das, was getan wird, den Konsumenten zu vermitteln.


«Ich bin überzeugt, dass wir den Weg nur schaffen, wenn wir über Sektor-grenzen hinweg zusammenarbeiten.»

Thomas Vellacott, CEO, WWF Schweiz

Seit 2016 arbeitet der WWF mit IWB zusammen. Gab es nie Reibungspunkte?

Doch, die gab es. Aber zu einer guten Partnerschaft gehören Kontroversen. Bei der Wasserkraft etwa hat auch IWB noch Potenzial, sie ökologischer zu gestalten. Aber es gab auch Erfolge, vor allem die sehr ambitionierten Emissionsziele, in deren Rahmen IWB jetzt auch die Wärmeversorgung dekarbonisiert.
 

Wie merke ich als Verbraucher, ob ein Unternehmen wirklich etwas für den Klimaschutz tut? Was ist mit Kompensationen im Ausland?

Prüfen Sie, welche Informationen Ihnen das Unternehmen gibt. Dann, ob es sich an extern definierten Zielen orientiert. Und schliesslich, ob es sich auch von unabhängiger Seite kontrollieren lässt. Kompensationen funktionieren, vor allem, wenn 
sie nach dem «Gold Standard» erfolgen. Sonst laufen Sie als Konsument Gefahr, heisse Luft zu kaufen. Kompensationen sollen immer ergänzend zu ambitiösen CO2-Reduktionen erfolgen, nicht anstelle von diesen. Erst zuletzt sollen verbleibende Emissionen kompensiert werden. 



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Zur Person

Seit 2001 ist Thomas Vellacott beim WWF Schweiz. Seit 2012 ist er CEO. Die grösste Schweizer Umweltorganisation ist Teil des internationalen WWF-Netzwerks, das in über 100 Ländern tätig ist. Der WWF Schweiz unterhält Partnerschaften mit Unternehmen, mit denen er gemeinsam ambitionierte Umweltziele verfolgt. Seit 2016 besteht eine Partnerschaft zwischen dem WWF Schweiz und IWB.

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