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Klein ist gross

Nachdem sein Vater mit dem Micro Scooter das Trottinett neu erfunden hat, versucht es Oliver Ouboter mit dem kleinen Elektrofahrzeug Microlino. Warum?

 

Text: Paul Drzimalla; Fotos: Christian Aeberhard

Oliver Ouboter, wer an Micro denkt, denkt an Trottinetts. Wie kommen Sie dazu, ein Elektroauto zu entwickeln?

Schon beim Micro Scooter, unserem ersten Trot­tinett, war die Idee urbane, platzsparende und umweltfreundliche Mobilität. Wir fokussieren uns auf Innovation im Mobilitätsbereich und das zieht sich durch unsere Produkte. Durch unsere E-Scooter sind wir in die Elektromobilität eingestiegen. Und von der reinen Spassmobilität zu den Fragen des Pendelns und der beruflichen ­Mobilität gelangt. Über allem steht das Konzept der Mikromobilität, also Fahrzeuge unter 500 Kilogramm. Die wollen wir in der ganzen Bandbreite abdecken.
 

Und wie kommt dabei so ein Microlino heraus?

Mein Vater hat 2012 eines der ersten Elektrofahrzeuge mit Range Extender gekauft. 80 Kilometer elektrische Reichweite, danach setzt ein Benzinmotor ein. Wissen Sie, wie oft er getankt hat? Etwa einmal im Jahr! So hat bei uns ein Gedanke angefangen zu gären. Die tägliche Durchschnittsstrecke im Auto liegt bei rund 30 Kilometern – überall in Europa. Gleichzeitig sitzen im Schnitt keine zwei Menschen im Auto. Bei der Recherche sind wir irgendwann auf die Kabinenroller aus den 1950er-Jahren gestossen. Eine Kategorie ­zwischen Töff und Auto. Wir dachten, dieses Konzept sei reif, wiederbelebt zu werden.

«Wir hoffen, dass die Leute langfristig ­merken, dass ein kleines Elektrofahrzeug für die Routinestrecken reicht.»

Oliver Ouboter, Mitbegründer Microlino AG

Für wen ist dieses Fahrzeug gedacht? Ist es der klassische Zweitwagen, der neben dem SUV in der Garage steht?

Kurz- und mittelfristig werden sich die Leute den Microlino als Zweitfahrzeug kaufen. So, wie er daherkommt, hat auch niemand die Idee, damit in die Skiferien zu fahren. Das Design vermittelt quasi die Nutzung. Aber langfristig hoffen wir, dass die Leute merken, dass sie eigentlich kein grosses Auto brauchen. Dass ein kleines ­Elektrofahrzeug für die Routinestrecken reicht und so zum Erstfahrzeug wird. Für die Ferien kann man dann immer noch ein Sharing-Angebot ­nutzen.
 

«Wie viel Auto braucht man wirklich?», fragen Sie auf der Website. Warum lautet die Antwort denn nicht: keines?

Wenn wir sehen, welche Verkehrsmittel die Menschen in der Schweiz nutzen, hat sich die Verteilung seit 40 Jahren quasi nicht verändert. Die Leute fahren entweder Bahn oder Auto. Mit den Trottinetts wollten wir den öV unterstützen. Eine Lösung für die erste und letzte Meile. Viele nutzen aber nicht den öV und wollen trotzdem wettergeschützt und mit einer gewissen Geschwindigkeit unterwegs sein. Da haben wir uns gefragt, was das Minimum ist, das diese Leute als Verkehrsmittel akzeptieren, das zugleich ein Maximum an Umweltverträglichkeit bietet.
 

… und so die urbane Mobilität verbessern?

Zumindest die Platz- und Emissionsprobleme verkleinern. Natürlich steht man auch mit dem ­Microlino im Stau. Und ganz ehrlich: Jemand mit einer Wohnung mitten in der Stadt wird sich vermutlich keinen kaufen, weil er keinen Parkplatz hat und im Alltag nur kurze Distanzen zurücklegt. Nicht jeder braucht ein Auto, vielleicht reicht auch ein E-Scooter. Einen grossen Faktor bei der Zukunft der urbanen Mobilität spielen aber auch die Städte selber. Denn es geht letztlich um Infrastruktur.
 

Klein und innovativ – ist es ein Zufall, dass der Microlino aus der Schweiz kommt?

Nein. Die Schweiz ist im europäischen Vergleich relativ offen gegenüber Elektromobilität. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die Fördermittel bei uns vergleichsweise gering sind. Das zeigen die über 18 000 Reservationen für den Microlino.
 

Dennoch ist die Schweiz ein SUV-Land. Wie wollen Sie genügend Menschen für Ihre Mobilitäts-vision begeistern?

Letztlich braucht es verschiedene Ansätze, um den Wandel hin zu platzsparender, emissionsarmer Mobilität anzutreiben. Wir sehen uns als Vorreiter, der mit seinen Produkten das Motto «Less is more» in den Köpfen verankern will.
 

Was Ihr Vater einst mit dem Tretroller getan hat, versuchen Sie und Ihr Bruder nun mit einem Elektrofahrzeug. Was fasziniert die Ouboters so an der Mobilität?

Nun, mein Vater war als Unternehmensgründer der typische Querdenker und wollte ein Produkt entwickeln, das in jeder Garage steht. Er fand eine Nische in der Mobilitätswelt. Merlin und ich sind in diese Welt hineingeboren worden. Waren die Versuchskaninchen für alle unsere Scooter. Aber die Faszination für Mobilität ist nicht nur uns gegeben. Mobilität ist cool! Alle träumen von Velos, Trottis, Helikoptern, Autorennen – you name it! Aber unser Vater hat uns das Querdenken mitgegeben. Wir fragen: Warum macht man das so? Und warum nicht anders?

 


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Zur Person

Oliver Ouboter (26) ist Mitbegründer der ­Microlino AG, einer Tochterfirma von Micro Mobility Systems, wo er das Marketing verantwortet. Mit Kickboard und Micro Scooter erlangte Olivers Vater Wim Ouboter 1999 ­einen weltweiten Verkaufsschlager. Noch heute ist Micro ein Familienunternehmen mit Sitz in Küsnacht.

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