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Geladen und einsatzbereit

Seit über einem Jahr ist die Basler Kantonspolizei mit Elektroautos im Einsatz unterwegs. Zeit, zu fragen, was die Fahrzeuge wirklich können.

 

Text: Paul Drzimalla; Fotos: Timo Orubolo

Noch ist es still vor dem Zeughaus. Die Morgensonne kriecht langsam über den Parkplatz mit den blaugelben Autos. Leise parkt eines rückwärts aus. Kein Motor heult auf. Sogar bei einem Notfall wäre es bis zum Einsetzen der Sirene nicht lärmig. Drei Polizisten würden schnell zum Auto laufen, der Fahrer einen Knopf an der Fernbedienung betätigen und den Stecker entriegeln. Flügeltüren, die sich öffnen. Schliesslich fährt ein Tesla leise vom Platz. Ein futuristisches Bild, aber Alltag in Basel.

«Ja, ich war anfangs skeptisch. Aber das ist vorbei.»

Cyril Riebli, Pikettchef Kantonspolizei Basel-Stadt

Viele Einsätze, viel Material

Seit April 2019 ist die Kantonspolizei des Kantons Basel-Stadt mit elektrischen Einsatzfahrzeugen unterwegs. Heute führt Bruno Carnot um einen Tesla, der gerade nicht im Einsatz steht. «Was wir sehen, ist ein Model X von der Stange», erklärt der Leiter Einsatzlogistik der Polizei. «Allerdings mit Einbauten, die nach unseren Spezifikationen gemacht wurden.» Da ist der Schubladenstock im Kofferraum mit Material für Beweisaufnahme und medizinische Erstversorgung, darunter schusssichere Westen und Helme. Im Passagierraum ein verschliessbarer Waffensafe, Metallplatten um den «Arrestantensitz» hinten rechts. Vorne verschiedene Bedienelemente. Und im Frontkofferraum, wo bei herkömmlichen Fahrzeugen der Motor ist, liegen Atemschutzmasken, ein Löschsack und Ölbinder, und es gibt Platz für die Ordnungsdienstausrüstung. Material, das darauf schliessen lässt, was an Einsätzen alles denkbar ist.

Doch warum genau dieses Fahrzeug? «Wir hatten mehrere Anforderungen an unsere Alarmpikett-Fahrzeuge», beginnt Carnot zu erklären. Sie müssen viel Nutzlast mit sich führen können, denn bei all den Erweiterungen käme Gewicht zusammen. Dann müssen sie schnell genug für Verfolgungsjagden sein. «Und schliesslich hat der Regierungsrat selbst beschlossen, bei Neuanschaffungen auf klimafreundliche Antriebstechnologien zu setzen.» Am Ende sei nur der grosse Tesla geblieben. Dass er in der Anschaffung etwas teurer sei, gleiche sich im Betrieb schnell aus, habe man berechnet.
 

Von Ferrari zu Google

«Wir haben indirekt auch Know-how beschafft. Sehr viel sogar», sagt Carnot. Denn in der polizeieigenen Garage müssen die Fahrzeuge gewartet und repariert werden können. «Während ein Verbrennermotor gerne auf 1500 Teile kommt, sind es beim Elektromotor etwa 30.» Wie viele moderne Fahrzeuge sei auch ein Tesla ein rollender Computer, den die Polizei zuerst verstehen lernen musste – auch, damit die Datenflüsse von den Polizeisystemen getrennt bleiben. «Wir haben nun viel Wissen im Haus», meint Carnot. Es habe sich sogar ein Mechaniker aus einer Ferrari-Garage bei uns beworben, der die Chance nutzen wollte, in die Elektromobilität hineinzusehen.

Wir steigen ein für eine kurze Probefahrt. Natürlich hinten, denn gefahren wird das Auto von einem Dreierteam. Alarmpikett – das heisst vorne der Fahrer, daneben der Teamchef, hinten links der Schreiber. Für alle drei gut zu sehen: der grosse Bildschirm vorne mit Google Maps samt Navigation. Er werde rege genutzt, erklärt Pikettchef Riebli vom Beifahrersitz. «Natürlich kennen wir ­Basels Strassen. Aber hier können wir bei der Anfahrt Gebäude studieren, eventuelle Fluchtwege ausmachen.» Denn wenn das Alarmpikett ausrückt, kann es brenzlig werden – von häuslicher Gewalt bis zum Amoklauf reicht das Spektrum.
 

Mythbusters und Stammtisch

Und was halten die Beamten vom neuen Fahrzeug? Mussten sie sich umgewöhnen, hatten sie Vorbehalte? «Ja, ich war anfangs skeptisch», entgegnet Riebli, seit 14 Jahren bei der Polizei. Er sei ursprünglich Automechaniker und habe der Antriebstechnik und dem Produkt aus den USA zuerst nicht getraut. «Aber das ist vorbei. Im Einsatz habe ich schnell gemerkt, dass die Technik fehlerfrei funktioniert.» Wie zum Beweis bläst die Klimaanlage kühle Luft durch den geräumigen Wagen, der vom Antrieb leise durch die Strassen getragen wird. Der heisse Asphalt gleitet vorüber. Wie angenehm das Fahren privat, ohne Möglichkeit eines Ernstfalles, erst wäre?

«Ja, die Vorurteile», meint Bruno Carnot wieder am Zeughaus. Anfangs habe es die in der Truppe zuhauf gegeben. Der Akku sei doch immer leer, die Autos unzuverlässig oder schlicht gefährlich. Geholfen habe da nur Aufklärungsarbeit. Ein halber Trainingstag auf dem EuroAirport und eigene Theoriestunden. «Wir haben von einem Fachhochschullehrer Infomaterial zur Elektromobilität zusammengetragen und in Gruppengesprächen die einzelnen Punkte besprochen. Eine Mischung aus Mythbusters und Stammtisch.» Inzwischen wüssten alle, dass die Batterie nicht gefährlicher ist als der Benzintank und wo man die Stromzufuhr kappen könne.
 

Zwischen Luxemburg und Zürich

Doch wie funktioniert das mit dem Nachladen genau? Immerhin ist das Alarmpikett in drei Schichten unterwegs. 24 Stunden pro Tag, 7 Tage die ­Woche. «Nach einer Schicht haben wir immer mindestens 300 Kilometer Restreichweite», entgegnet Bruno Carnot. Dass man danach immer einstecke, sei selbstverständlich. «Auch die Benziner fahren wir nie ansatzweise leer. Die müssen einsatzbereit sein, immer.» Unser Blick geht durch die Garage. Kleinbusse, Zivilfahrzeuge, weitere Teslas, die ­gerade ausgerüstet werden. Und oben an einer Wand ein Poster: ein Basler Polizei-Tesla neben ­einem Lamborghini der italienischen Kollegen. «Da haben wir ausnahmsweise einmal die zweite Geige gespielt», erklärt Carnot und lacht. Das Bild sei an einem internationalen Polizeitreffen in Luxemburg entstanden. «Mit einer Batterieladung sind wir hochgefahren», sagt er begeistert. Und, dass vom Lamborghini abgesehen, das Interesse am Basler Fahrzeug sehr gross sei. Erst neulich ­seien die Kollegen der Stapo Zürich da gewesen. Auch sie wollen Elektrofahrzeuge anschaffen.

«Wer sich an das elektrische Fahren gewöhnt, fährt vorausschauender und ist so weniger gestresst.»

Bruno Carnot, Leiter Einsatzlogistik Kantonspolizei Basel-Stadt

Neben den Fahrzeugen, die umgerüstet und repariert werden, stehen auch solche, die bereit sind zur Ausmusterung. «Wir wissen noch nicht, wie lange die Teslas im Einsatz stehen werden», sagt Carnot. Normalerweise sei der Motor nach ein paar Jahren am Ende der Lebensdauer – bei Elektrofahrzeugen kaum denkbar. Auch die Bremsen würden fast nicht gebraucht, da der Tesla, wie die meisten modernen Elektroautos, beim Verlangsamen mit dem Motor bremse und so Energie zurückgewinne. «Wer sich daran gewöhnt, fährt viel vorausschauender und ist dadurch auch weniger gestresst.»

Letztlich gehe es um das richtige Fahrzeug für den jeweiligen Zweck, resümiert Bruno Carnot. Der Tesla erfülle seinen perfekt, dafür vielleicht andere nicht. Momentan sei die Kantonspolizei daran, neue E-Bikes anzuschaffen. Bisher ist die älteste Velotruppe der Schweiz noch mit Mountainbikes unterwegs. «Man muss sich anpassen, wenn die Verbrecher auf dem Velo plötzlich 45 km/h schnell sind.» Die Kantonspolizei prüfe immer wieder neue Fahrzeugkonzepte. Auch Elektro-Trottinetts seien denkbar, gerade für die Kollegen, die zum Beispiel Parkbussen ausstellten. Und ganz zum Schluss, in einem Nebensatz, erwähnt Bruno Carnot, dass er auch privat inzwischen ein Elektroauto fahre. «Unsere Teslas haben mich letztlich überzeugt.» Denn was im Einsatz funktioniert, tut es im Alltag erst recht.

 



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