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Bereit für die Energiewende

Wie sicher ist unsere Stromversorgung in Zukunft? Was ist überhaupt Versorgungssicherheit? Komplexe Fragen, und doch hat Professor Hannes Weigt einige bestechend einfache Antworten.

Text: Paul Drzimalla; Gianni Groppello

 

Herr Weigt, Sie sind Co-Autor der Studie zur Versorgungssicherheit der Schweiz bis 2040. Kurz und knapp: Haben wir 2040 genügend Strom?
Kurz und knapp: Ja.

Es wird nicht grossflächig das Licht ausgehen?
Grossflächig schon gar nicht, dieser grosse «Blackout» ist ein Zerrbild. Blackouts sind meist eine Folge von ungeplanten Ereignissen: Ein Baum fällt auf eine wichtige Leitung. Wir untersuchen jedoch, ob das zukünftige System – mehr Wind- und Sonnenstrom, weniger fossile Energie – unterschiedliche Situationen abdecken kann.

Welche sind das?
Wir haben ein europäisches Grundszenario, das uns sagt, wie viele Kraftwerke wann wo stehen werden und wie sich die Nachfrage entwickelt. Dieses haben wir mit verschiedensten Wetterkombinationen modelliert. Sodass wir wissen, ob wir in einem kalten Winter, wenn Sonne und Wind rar sind, Probleme bekommen. Die Antwort: Bekommen wir nicht. Auch wenn Deutschland aus der Kohle und Frankreich aus der Kernkraft aussteigt. Überdies haben wir die erhöhte Nachfrage getestet, die durch die Elektrifizierung von Wärme und Verkehr entsteht. Wobei wir dort die genaue Entwicklung nicht kennen. Wir haben, vereinfacht gesagt, so getan, als ob sehr viele Elektroautos quasi vom Himmel fallen. Dann würde das System irgendwann kritisch. In Wirklichkeit ist das aber ein stetiger Prozess, bei dem das Stromangebot mitzieht, um die Nachfrage zu bedienen. Nur kennen wir die nicht genau.

Sie bräuchten also mehr Daten?
Die Elektrifizierung macht Rechnen schwieriger: Was ist mit der Batterie, die geladen, was mit der Wärmepumpe, die variabel gesteuert wird? Wir brauchen jedoch nicht bloss mehr Daten. Wir müssen uns überlegen, wie wir leben wollen. Wie wird beispielsweise unsere Arbeitswelt? Home-office verändert das Mobilitätsverhalten und damit die Stromnachfrage. Wollen wir Elektroautos, die in der Garage warten? Wollen wir Strom auf Knopfdruck und dafür immer das Gleiche bezahlen? Oder akzeptieren wir, dass Strom teurer wird, wenn er knapp ist? Wie würden wir reagieren? Heute machen wir uns darüber keine Gedanken; wir wissen nicht, was uns Versorgungssicherheit wert ist. Das prägt natürlich unser Verhalten.

«Bevor bei uns die Lichter ausgehen, sind sie in Europa schon lange aus. Doch das wird nicht geschehen.»

Prof. Dr. Hannes Weigt, Leiter FoNEW, Universität Basel

Wie definieren Sie denn Versorgungssicherheit?
Viel wichtiger ist, was sie für einzelne Akteure bedeutet. Wenn in einer Fabrik der Strom ausfällt, ist das etwas anderes als bei uns zu Hause. Viele merken das vermutlich nicht einmal, weil sie arbeiten. Oder in der Politik: Heisst Versorgungssicherheit, genügend Kraftwerke aufzustellen – oder nur die Regeln? Sind Importe Versorgungssicherheit oder nicht? Diese Fragen muss man klären, wenn man über Versorgungssicherheit redet. Wollen wir lokale Selbstversorgung? Wobei ich als Ökonom dann frage, wofür wir ein Stromnetz haben. Schliesslich ist Europa ein grosser Stromverbund; die Kapazitäten reichen aus und wir können Strom handeln. Und die Schweiz hat mit der Wasserkraft das, was alle haben wollen, nämlich eine flexible Batterie. Wir sitzen auf dem bestmöglichen System für die Energiewende, da wir diese Flexibilität heute schon nutzen können.

2019 ist das erste Schweizer Kernkraftwerk störungsfrei vom Netz gegangen. Wird das bei den Nächsten auch so sein?
In unserer Studie ist das der normale Weg: Wir steigen bis 2035 aus der Kernenergie aus und sukzessive in die Erneuerbaren ein. Gemäss unseren Modellen kein Problem. Eben weil wir über ein gutes Netz verfügen, in Europa eingebunden sind und weil wir die Wasserkraft haben. Immer, wenn es im Gesamtsystem knapp wird, sind wir Exporteure. Die dunkle Winterstunde – ohne Sonne und Wind – ist die goldene Stunde der Wasserkraft. Da wir dann glücklicherweise mehr Strom produzieren, als wir verbrauchen, können wir exportieren. Importieren können wir, wenn das System nicht unter Stress ist. Das ist der Vorteil der Schweiz: Wir benötigen Stromimporte dann, wenn sie auch verfügbar sind.

Was bräuchte es denn, um die Lage bei uns kritisch werden zu lassen?
Dazu müsste das europäische System in einer extrem überkritischen Lage sein. Ein Strommangel, der so lange anhält, dass wir kein Wasser mehr aus unseren Seen abziehen können. Nur ist es schwer vorstellbar, dass niemand etwas dagegen unternehmen würde. Bevor bei uns die Lichter ausgehen, sind sie in Europa schon lange aus. Da aber die Europäer die gleiche Debatte führen wie wir, werden sie sicherstellen, dass dies nicht geschieht. Und egal was sie tun – es wird auch uns helfen.


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Zur Person

Prof. Dr. Hannes Weigt ist Energieökonom an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel und leitet die Forschungsstelle für Nachhaltige Energie- und Wasserversorgung (FoNEW). Er ist im schweizweiten Kompetenzzentrum für Energieforschung SCCER CREST eingebunden, das sich mit der Energiewende im Kontext von Ökonomie, Umwelt, Verhalten und Recht befasst.