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Künstliche Intelligenz für den Alltag

Erledigt sich der ganze Haushalt in Zukunft selbst? Karin Frick, Leiterin Research und Mitglied der Geschäftsleitung des Gottlieb Duttweiler Instituts, war Gastreferentin am IWB Foyer 2016 und sprach dort zum Thema „Smart Living and Working – unsere schöne neue Zukunft“ vor über 200 geladenen Gästen.

Text: Erik Rummer; Bild: Peter Indlekofer

In Ihrer 2015 veröffentlichten Studie «smart home 2030» schreiben Sie, dass Software unseren Alltag zu Hause bestimmen wird. Werden wir künftig in unseren vier Wänden von Computern gesteuert?

Nicht wir werden gesteuert, sondern das Haus wird sich gewissermassen selber steuern – wie ein selbstfahrendes Auto. Wir bestimmen, wo es hinfährt. Die Hoffnung ist, dass die Technik uns von allen Formen der Hausarbeit befreit und wir dadurch unabhängiger werden – solange sie funktioniert. Denn: Wir werden smarte Technik langfristig nur akzeptieren, wenn sie uns das Leben leichter macht und wir damit mehr Zeit und Autonomie gewinnen als wir verlieren.

Für Ihre Studie haben Sie Architekten, Planer und Installateure zu deren Vision befragt. Was hat Sie am meisten überrascht?

Die Zurückhaltung. Man wartet lieber ab und kopiert, als selber bahnbrechende Lösungen zu entwickeln.

Wie werden die Kundinnen und Kunden von IWB die Veränderung beim Wohnen und Arbeiten konkret spüren?

Wer nicht gerade aus einem Altbau in einen smarten Neubau umzieht, wird die Veränderungen kaum wahrnehmen, denn die Technik wird immer mehr hinter den Dingen verschwinden. Wenn ein smartes Haus mehr Energie produziert, als es verbraucht, und die Nutzer Energie verkaufen statt kaufen, werden sie das Ergebnis in ihrem Portemonnaie spüren.

Auch Haushaltsgeräte sollen intelligenter werden. Wer möchte eigentlich, dass ein Kühlschrank künftig selber einkauft?

Der smarte Kühlschrank wird überschätzt. Die Einkäufe werden von einer künstlichen Intelligenz gesteuert, nicht von einem einzelnen Gerät. Diese Intelligenz kontrolliert die smarten Dinge um mich herum und hilft mir, mich besser zu entscheiden.

Für das «smart home» werden Daten gesammelt und ausgetauscht. Wer kann auf solche Daten zugreifen?

Bisher ist nicht gelöst, wer wen und was kontrolliert und welches System letztlich die Hoheit über die Daten hat. Spannend werden hier ganz neue Lösungen, z.B. auf der Basis von Blockchain-Technologie, die eine dezentrale Selbststeuerung ermöglichen. Auch ein «smart home» hat seinen Preis.

Müssen sich Hausbesitzerinnen und –besitzer auf grössere Investitionen in ihre Gebäudetechnik gefasst machen?

Die Haustechnik wird tendenziell immer besser und billiger, zudem können alle Systeme über ein Smartphone gesteuert werden. Der Preis hängt vom Ausmass der Home-Automation ab – ein smarter Thermostat von Nest kostet etwa 250 Franken, eine Überwachungskamera knapp 200 Franken. Die Kosten und Risiken für einen Selbstversuch sind also überschaubar.

Wie kann uns die Digitalisierung helfen, den eigenen Energieverbrauch zu senken?

Weil tendenziell weniger Energie verschwendet wird, wenn das System sich selber steuert, als wenn es von der Aufmerksamkeit seiner Nutzer abhängt.

Wie wird sich Ihrer Ansicht nach ein Unternehmen wie IWB bis 2030 entwickeln? Welche Produkte werden die Kundinnen und Kunden von einem Energieversorger noch kaufen wollen?

IWB könnte eine Art Uber für Smart Home Services werden – eine lokale Produktions-, Vertriebs- und Konsumgemeinschaft für Smart-Home-Anwendungen. Das Smart Home wird erst interessant, wenn einzelne Dienste nicht isoliert, sondern vernetzt angeboten werden. Dafür braucht es eine Plattform, die diese Dienste koordiniert.

Freuen Sie sich ganz persönlich auf den Alltag in einem «smart home»?

Ja, in dem Sinne, dass sich der ganze Haushalt mit Einkaufen, Putzen und Waschen selbst erledigt.

Karin Frick

Karin Frick ist Leiterin Research und Mitglied der Geschäftsleitung des Gottlieb Duttweiler Instituts in Rüschlikon. Die Ökonomin analysiert Trends und Gegentrends in Wirtschaft, Gesellschaft und Konsum. 2015 veröffentlichte sie die Studie «Smart Home 2030 – Wie die Digitalisierung das Bauen und Wohnen verändert.». Am IWB Foyer 2016 sprach sie auf Einladung von IWB vor über 200 Gästen.

www.gdi.ch