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Geschichte wird gemacht

Der Basilisk gehört zu Basel und der Basiliskenbrunnen zum Stadtbild. Nun hat IWB mehrere Stück davon neu anfertigen lassen – nach alter Art.

Text: Paul Drzimalla; Fotos: Christian Flierl

 

Tiefrot leuchtet die Glut aus dem münzgrossen Loch. Der runde Bottich hängt an schweren Eisenketten; langsam fährt ihn Silvie Gorath mit einem Deckenkran über das Wasserbad. Philipp Rüfenacht kontrolliert die Glut, nimmt zur Kontrolle eine Lanzette aus der Tasche und klopft kurz. «Jetzt können wir», sagt er. Dann senkt Silvie Gorath den Bottich, der eigentlich Küvette heisst, ins Wasser. Es zischt und gurgelt, Rauch steigt auf, minutenlang. Jetzt greift Philipp Rüfenacht mit einer Zange in das Wasser und zieht ihn hervor, den Kopf des Basilisken. In einer staubigen Halle erblickt er das Licht der Welt, sein Körper metallen schimmernd.

 

Die Ikone und die Zeitzeugin

Der Basilisk – jedes Kind in Basel kennt ihn. Ein Fabeltier, halb Hahn, halb Drache mit übermenschlichen Kräften, nur zu zähmen durch sein Spiegelbild. Der Basilisk ist Schildhalter des Basler Wappens, Teil der Basler Kultur. Eine Kultur, die auch IWB mitträgt: Der Basiliskenbrunnen spendet Trinkwasser für Alt, Jung – und Hund, eines eigenen Beckens auf Strassenhöhe sei Dank. Rund 30 dieser ikonischen Wasserspeier stehen in der Stadt, ein paar weitere sind in der ganzen Welt verteilt. Nun entstehen zehn neue, und das in einer Halle vor den Toren der Aarauer Altstadt.

Die Halle gehört der H. Rüetschi AG. Vor über 650 Jahren gegründet, ist sie nicht nur eine der ältesten Firmen der Schweiz, sondern auch die letzte einheimische Kirchenglockengiesserei. Damit ist ihr Rohstoff das, woraus auch der Basilisk auf den bekannten Basler Brunnen besteht: Bronze. In Aarau werden daraus längst nicht mehr nur Glocken gegossen, sondern auch Kunstobjekte oder Auftragsarbeiten wie der Basilisk. Schwere, wertige Stücke, gemacht fast für die Ewigkeit. Denn richtig verarbeitet, überdauern Bronzeteile Jahrhunderte. Eine Lebensdauer, die dem Basilisken im Stadtalltag nicht vergönnt ist, etwa, weil ihn unachtsam rangierende Lastwagen mitsamt Brunnen umstossen. IWB lagert dafür einen überschaubaren Vorrat Ersatzbrunnen, doch war dieser bis auf zwei Stück geschrumpft. Neue Basilisken mussten her.

 

Viele Schritte in Handarbeit

Ein paar Treppenstufen oberhalb der Halle sitzt Silvie Gorath inzwischen im Atelier. Mit feinem Werkzeug bearbeitet sie einen weiteren Kopf, jedoch aus Wachs, nicht aus Bronze. «Die grösste Arbeit haben wir nach und vor allem vor dem Guss», meint sie. Und erklärt: Zuerst fertigt sie von einer Urform ein Negativ aus Silikon an, aus dieser wiederum einen Ausguss aus Wachs, dem eigentlichen «Modell» für den Guss. Dieser Ausguss wird durch einen Gipskern und Nägel stabilisiert und erhält ein wächsernes Eingusssystem, durch das später die Bronze gleichmässig fliessen soll. Wenn die Wachsform perfekt ist, wird um sie herum die Gussform hergestellt und das Wachs ausgeschmolzen. «Es ist diese komplexe Abfolge aus Positiv- und Negativform, die mich am Bronzeguss fasziniert», erklärt Silvie Gorath.

In einem Nebengebäude steht Philipp Rüfenacht im Untergeschoss und setzt mit einer Trennscheibe an. Noch hängt der neu gegossene Basiliskenkopf am Eingusssystem. Ein paar Schnitte, dann ist er befreit und wird weiterbearbeitet. Rüfenacht ist Gusstechnologe, ein Beruf, den hierzulande nur noch wenige lernen. Wie auch die H. Rüetschi AG, wo er vor 23 Jahren seine Lehre gemacht hat, eine der wenigen Giessereien ist, die noch Bronze verarbeitet. Und sie gewann eine Submission von IWB, die ihre Basiliskenbrunnen originalgetreu gefertigt haben wollte, in Bronze und Handarbeit. Nur wenig neue Technik ist hinzugekommen, etwa die Unterdruckgiessanlage, der noch feinere Strukturen ermöglicht. Auch IWB wendet sie an. Die Brunnen, die als blanke Metallkorpusse nach Basel gelangen, erhalten eine moderne Hartlackschicht; die Wasserzufuhr erfolgt über einen lebensmittelechten Kunststoffschlauch.

Philipp Rüfenacht zieht die Nägel aus dem Bronzerohling, entfernt letzte Gipsreste. Dann sind die Eingusskanäle bereit, wieder eingeschmolzen zu werden. Nichts wird hier vergeudet; die Basilisken bestehen nur aus Bronze, die schon einmal gegossen wurde. Auch der Sand für die Gussformen wird so oft wie möglich benutzt. Die Giesserei mag ein altes Handwerk mit eigenen Ritualen sein – doch die Nachhaltigkeit kennt sie vermutlich schon länger, als es einen Begriff dafür gibt.

«Bronze ermöglicht wunderbare Formen. Kein Teil gleicht genau dem anderen.»

Silvie Gorath, Kunstgiesserin

Alte Ideen neu entdeckt

Die Kirchenglocken, mit denen die H. Rüetschi AG gross geworden ist, sind längst zum kleinen Nebengeschäft geworden; zu wenig neue sind gefragt, zu haltbar die alten. Dafür entwickelt sich der Kunstguss immer mehr zum wichtigen Standbein des Unternehmens. Künstler kommen mit aufwendigen Projekten nach Aarau und wenden sich an Leute wie Silvie Gorath, die als ursprünglich gelernte Kunstvermittlerin und Holzbildhauerin Erfahrung mit figurativer Kunst gesammelt hat. Erfahrung, die ihr jetzt hilft, die Einzelteile des Basilisken so zusammenzusetzen, dass Haltung und Symmetrie stimmen, ganz ohne Hilfe eines Plans oder gar Computermodells. Aus acht Teilen besteht der Basilisk. Weitere acht, etwa für das Becken und den Sockel, werden aus Gusseisen von einer Partnergiesserei gefertigt. Der Basilisk jedoch ist von Kopf bis Schwanzspitze aus Bronze.

 

Unikate in Perfektion

Warum überhaupt Bronze? Sie fliesse gut und erlaube so sehr genaue Abbildungen, antwortet Silvie Gorath. Zudem sei sie als Halbedelmetall antibakteriell. Vor allem aber ermögliche Bronze wunderbare Formen, unendlich fein und doch nie hundertprozentig wiederholbar. «Kein Teil gleicht genau dem anderen», erklärt sie. Trotzdem muss sie jedes Stück des Basilisken in Form und Machart perfekt beherrschen. Eines nach dem anderen, erst dann wird die Serie gegossen.

Wieder in der Halle treffen sich Silvie Gorath und Philipp Rüfenacht vor dem dröhnenden Tiegelofen. Mit dicken Schutzhandschuhen heben sie den über tausend Grad heissen Tiegel heraus und giessen eine weitere Form aus und dann die restliche Bronze in eine Form, wo sie zu Barren auskühlt. Neues Material, das vielleicht einem Basilisken die Seele einhauchen wird. Wieder nimmt Philipp Rüfenacht einen Rohling aus dem Wasserbad und bringt ihn gereinigt zu Silvie Gorath. Beide schauen den Guss an und lachen zufrieden. Ein kleines Stück Geschichte ist geschafft.

Basler Brunnen

Im Stadtgebiet betreibt IWB über 200 öffentliche Brunnen. Sie sind Kulturgut und «Visitenkarte» der Stadt.

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Ein Basler Original bewahren

Der Basiliskenbrunnen entstand 1884 anlässlich eines Wettbewerbs. Die Stadt Basel war damals stark gewachsen und erneuerte ihre Trinkwasserversorgung – samt öffentlicher Trinkwasserbrunnen, für die ein anspruchsvoller Entwurf gefordert war. Den Wettbewerb entschied der Architekt und Direktor der Gewerbeschule Wilhelm Bubeck für sich. Zunächst wurden 19 Stück aufgestellt, bald kamen aber weitere dazu. Auch in Moskau, Schanghai oder Wien finden sich Exemplare – allesamt offizielle Schenkungen der Basler Regierung. «Die Brunnen sind auf jeden Fall unverkäuflich», sagt Alex Dänzer, Leiter öffentliche Brunnen bei IWB. Und er hält fest: «Die Basiliskenbrunnen gehören zu Basel wie die Fasnacht. Wir wollen sie so lange erhalten, wie es nur geht.»

Alle Trinkbrunnen in Basel finden Sie auf dieser Karte.