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Das Weggli und der Batzen

Seit über 20 Jahren setzt der Verein Minergie Standards für energieeffizientes Bauen. Geschäftsleiter Andreas Meyer Primavesi über den Erfolg und das, was noch zu tun ist.

Text: Paul Drzimalla; Foto: Simon Havlik

 

Herr Meyer Primavesi, wir sitzen hier in einem Minergie-Gebäude. Die Architektur ist modern, das Klima angenehm – wie sieht das ideale Gebäude für Sie aus?
Im idealen Gebäude fühlt sich der Mensch wohl. Dazu tragen die Architektur bei, die Grundrisse, die Materialisierung. Doch auch die Temperatur: im Sommer angenehm kühl, im Winter angenehm warm. Ausserdem muss die Luftqualität stimmen, und es braucht viel Tageslicht.

In der Schweiz gibt es fast 50 000 Minergie-Gebäude. Darf man also gratulieren?
Das ist eine Frage des Ziels. Wenn der Schweizer Gebäudepark ohne fossile Energien auskommen und eine hohe Effizienz aufweisen soll, dann sind 50 000 nicht viel angesichts der rund 1,5 Millionen Gebäude in der Schweiz. Dennoch ist Minergie ein Standard, der funktioniert und erprobt ist. Zudem steht die Schweiz im internationalen Vergleich gut da. Nur wenige Länder haben einen ähnlich hohen Anteil nachhaltiger Gebäude.

Minergie wurde 1998 gegründet. Was hat sich seither im energieeffizienten Bauen verändert?
Erstens der Klimawandel. Inzwischen haben fast alle verstanden, dass wir etwas tun müssen. Und mit den wärmeren Sommern steigt der Kühlbedarf, auch in Wohnbauten. Zweitens die technologische Entwicklung. Wir können heute ein Gebäude mit hohem Komfort ausstatten, das sich grösstenteils selbst mit Energie versorgt. Das war vor 20 Jahren nicht möglich.

Im Kanton Basel-Stadt stehen weniger Minergie-Gebäude als in Appenzell Ausserrhoden. Warum?
Es ist einfacher, auf der grünen Wiese ein neues, energieeffizientes Gebäude zu erstellen als in der bereits dicht bebauten Stadt. In Basel muss man dafür zuerst ein Gebäude abreissen, oder man saniert ein bestehendes Haus im Betrieb. Doch die Möglichkeiten in Basel sind längst nicht ausgeschöpft. Die Stadt hat das grösste Fernwärmenetz der Schweiz. Hauseigentümer können also sehr einfach von fossilen Energieträgern wegkommen. Alternativ lassen sich Wärmepumpen mit Photovoltaik kombinieren. Und mit einer Sanierung der Gebäudehülle reduziert man die Energiekosten und erhöht gleichzeitig den Komfort.

Warum entscheiden sich Bauherren heute für Minergie-Gebäude?
Hauptsächlich, weil der Standard in den unzähligen Möglichkeiten der Gebäudetechnik Orientierung bietet. Bei Minergie weiss man: Das funktioniert. Zudem ist man gut gerüstet für steigende Energiekosten. Und die werden steigen – wie auch die CO2 -Abgaben.

Das heisst, die Bauherren profitieren.
Auch die Gesellschaft und die Umwelt. Bauherren profitieren durch hohe Wohnqualität, leisten aber zugleich einen Beitrag an die gesellschaftlichen Herausforderungen wie die Verlangsamung des Klimawandels, die geringere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Deshalb funktioniert Minergie: Es ist ein Sowohl als auch. Wenn wir nur die Umwelt schützen wollten, könnten wir nicht so viele Menschen überzeugen.

«Wenn wir nur die Umwelt ­schützen wollten, könnten wir nicht so viele Menschen überzeugen.»

Andreas Meyer Primavesi, Geschäftsleiter Minergie

Dennoch verursachen Gebäude noch immer rund ein Drittel der Schweizer CO2-Emissionen. Was ist zu tun?
Wir müssen zwei Sachen gleichzeitig tun. Zum einen umsteigen auf erneuerbare Energien, die wenig oder kein CO2 ausstossen. Zum anderen die Effizienz steigern, sodass die 1,5 Millionen Gebäude in der Schweiz weniger Energie verbrauchen. Gerade im Zuge der Klimadebatte ist es wichtig, sich nicht nur auf die Energieerzeuger zu fixieren. Wenn wir in allen Altbauten lediglich die Ölheizungen durch Wärmepumpen ersetzen würden, müssten einige im Winter den Pullover anziehen – und die Schweiz hätte bald zu wenig sauberen Strom. Das wäre ein Eigengoal.

Wohin entwickelt sich das energieeffiziente Bauen?
Ich denke, Neubauten werden bald keine zusätzliche Energie verbrauchen. Technisch funktioniert das. Wenn die Energie nur noch ein bisschen teurer wird, rentiert es auch. Bei Sanierungen warne ich davor, die Latte zu hoch zu legen. Wenn wir dort Neubaustandards fordern, tut niemand mehr etwas. Nur schon die Verdopplung der Energieeffizienz ist ein Fortschritt und relativ einfach zu haben. Die Transformation des Gebäudeparks ist, wie der Klimaschutz, eine Generationenaufgabe. Dabei können wir rasche Fortschritte erzielen, ohne zu verzichten. Das Weggli und den Batzen haben, das geht.

Zur Person

Andreas Meyer Primavesi ist Forstingenieur ETH und hat das Gebäudeprogramm des Bundes mitaufgebaut, mit dem Bund und Kantone energieeffizientes Bauen unterstützen. Seit 2014 ist er beim Verein Minergie tätig, seit 2016 als Geschäftsleiter. Minergie hat 1919 Partner und Member, zu denen auch IWB ­gehört.

minergie.ch