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Moderne Technologie für jahrhundertealte Kunst

Blick ins Kunstmuseum
Wir Menschen sind auf ein bestimmtes Klima angewiesen, damit wir uns wohlfühlen. Kunstwerke sind sogar noch anspruchsvoller. Das Kunstmuseum Basel sorgt mit modernster Technik dafür, dass die wertvollen Werke noch weitere Jahrhunderte unbeschadet überstehen.

Text: Stefanie Probst; Bilder: Kunstmuseum Basel, Julian Salinas; Martin P. Bühler

Markante Arkaden und ein lichtdurchfluteter Innenhof auf der einen Strassenseite, ein schlichter Kubus auf der anderen. Das Kunstmuseum Basel besticht durch eindrückliche Bauten, deren Innenleben dem äusseren Eindruck in nichts nachsteht. Seit April 2016 ist zusätzlich zum Hauptbau der Neubau für die Besucher zugänglich. Beide Gebäude sind über einen grosszügigen Gang unter der Erde verbunden. Hier wie dort schaffen grosse, hohe Säle mit dezentem Licht eine ruhige Atmosphäre und lassen die wertvollen Gemälde und Skulpturen optimal zur Geltung kommen. Dabei ahnen die Besucher nicht, was sich alles hinter den Wänden und im Untergrund der Gebäude verbirgt.

Besondere Anforderungen

Portrait Urs NachburDem Auge des Besuchers entzieht sich die aufwendige Technik, die für ein ideales Klima sorgt und eine Doppelaufgabe erfüllt: In den Räumlichkeiten sollen sich nicht nur die Besucher wohlfühlen, sondern auch die Ausstellungsobjekte haben ganz bestimmte Ansprüche. «Die richtige Temperatur und optimale Feuchte sind das A und O in den einzelnen Ausstellungsräumen. Diese müssen möglichst konstant gehalten werden», erklärt Urs Nachbur, Leiter Technik und Gebäudeunterhalt. Deshalb werden die Räume in den Wintermonaten, wenn die Luft trockener ist, mit aufbereitetem Wasser befeuchtet. Die Kontrolle der Idealwerte funktioniert automatisch. Wird ein Wert um mehr als 5 Prozent unter- oder überschritten, geht ein Alarm los. Das intelligente Gebäude besitzt die Fähigkeit, regulierend einzugreifen und die idealen Werte selbst wiederherzustellen. Dies geschieht über ein übergeordnetes Leitsystem. «Es könnte im Hauptbau passieren, dass beim Fensterputzen der Alarm losgeht, weil die Luftfeuchte zu hoch wird», erläutert Nachbur. Im Falle einer grösseren Klimaabweichung wird die Aussenluft automatisch laufend reduziert und die Umluft erhöht, um die Schwankung auszugleichen. Auch die Temperatur kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Bei hoher Sonneneinstrahlung zum Beispiel fahren automatisch die Rollläden herunter – zumindest im Neubau. Im Altbau müssen Nachbur und sein Team hingegen noch öfter selber eingreifen – vorerst noch. Der Hauptbau soll nämlich in den nächsten Jahren saniert werden. Im Gegensatz zum vergangenen Neu- und Umbau könne das Museum während dieser Zeit aber geöffnet bleiben, ergänzt Nachbur.

Energieeffizient das ideale Klima schaffen

Für das Klima verantwortlich sind unter anderem die Anlagen, die sich im Keller des Minergieneubaus verbergen. Dort befinden sich drei Kälteanlagen, die im Sommer die Räume klimatisieren. Mit den im Rahmen des Neubaus angeschafften Anlagen hat das Museum die Möglichkeit, über eine Notfallleitung den Hauptbau mit der Kühlleistung des Neubaus zu versorgen. Diese Option wird aktuell genutzt, um die effizienteren Anlagen des Neubaus voll auszulasten, damit die bestehenden älteren Maschinen des Hauptbaus möglichst wenig eingesetzt werden müssen. Im Winter setzt das Kunstmuseum dann auf nachhaltige Wärme: Beheizt wird zu 100 Prozent mit Wärme, die über das IWB Fernwärmenetz bezogen wird. Das Museum nutzt aber nicht nur erneuerbare Wärme, sondern geht mit der Energie auch nachhaltig um. Im Boden des Neubaus sind zum Beispiel Heizrohre eingelegt, sogenannte thermoaktive Bauteilsysteme, welche die Räume im Sommer kühlen und im Winter heizen. Der Boden wird dabei als thermischer Speicher genutzt und die verbrauchte Energie somit verringert. «Wenn wir feststellen, dass im Winter ein Grad weniger auch noch drin liegt, regulieren wir örtlich entsprechend die Temperatur. Dadurch können wir enorm viel Energie sparen», sagt Nachbur. Eine weitere Massnahme ist die Rückgewinnung der Wärme aus den Kälteanlagen. «Besonders herausfordernd war es, das Klima im grossen Treppenhaus zu regulieren. Unsere Fachplaner haben aber auch das meisterhaft gelöst», freut sich Nachbur.