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Die Digitalisierung, die wir wollen

Wie sieht die Stadt von morgen aus? Was macht sie zur «Smart City»? Barbara Alder über die Digitalisierung und was Basel mit ihr anfangen sollte.

Text: Paul Drzimalla; Bild: Christian Aeberhard

 

Frau Alder, Sie leben in Basel. Wo begegnet ­Ihnen im Alltag die «smarte» Stadt?

Noch nicht an so vielen Orten. Aber viele Anwendungen laufen ja unsichtbar im Hintergrund. Im Tram unterwegs sehe ich beispielsweise an den Haltestellen dank Sensoren und Echtzeitdaten die nächsten Verbindungen. Diese Daten kann ich auch online nutzen, um die besten Anschlüsse rauszusuchen. Zu Hause haben wir eine Photovoltaikanlage auf dem Dach; auch dabei werden Daten ausgewertet – viele solche «smarten» Anwendungen machen eine Stadt zur «Smart City».

Was ist denn eine «Smart City», einfach ­erklärt?

Eine Smart City nutzt die Digitalisierung und verknüpft Daten intelligent, um die Stadt und das Leben darin nachhaltig zu entwickeln – indem Ressourcen gespart werden und die Lebensqualität erhalten wird. Der Ansatz ist zwar technisch getrieben, im Zentrum steht immer der Mensch.

Sie sagen, im Zentrum stehe der Mensch. ­Welche Rolle hat er in diesem Prozess?

Smart City bedeutet Vernetzung, digital und analog; die Menschen sollen mitgestalten. Das tun sie ja schon jetzt, über den politischen Prozess. Und über das Verhalten: Wir entscheiden, wie wir ein Smartphone nutzen und welchen Anbietern wir Daten zur Verfügung stellen. Das tun viele bedenkenlos. In diesem von der Technik angestossenen Prozess müssen wir über Anwendungen und insbesondere über Datenschutz diskutieren.

Auch Basel will den Smart-City-Ansatz nutzen. Was ist Ihre Aufgabe?

Der Regierungsrat hat die Strategie Smart City ­Basel erstellt – und damit der Verwaltung, also uns, den Handlungsrahmen aufgezeigt. Der Auftrag: die Digitalisierung für nachhaltige Entwicklung nutzen. Gerade Firmen kommen häufig mit neuen Ideen auf die Verwaltung zu. Dann müssen wir entscheiden, ob das jetzt eine Idee ist, die einer nachhaltigen Entwicklung dient. Dafür bauen wir auch technologisches Know-how auf und teilen es innerhalb der Verwaltung. Das ist ein Prozess, den wir als Kantons- und Stadtentwicklung koordinieren und auch anstossen. Smarte Projekte entwickeln jedoch die Fachdepartemente und setzen sie um. Die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung und mit Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit ist dabei wichtig.

Können Sie Beispiele nennen?

Die Stadtreinigung bringt im Rahmen eines Pilotprojekts gerade an ihren Fahrzeugen Kameras an, die automatisiert die Sauberkeit messen. So werden die Ressourcen zielgerichtet eingesetzt und es wird vor allem dort geputzt, wo die Strassen am schmutzigsten sind. Oder es gibt die First-Responder-App, mit der ausgebildete Laienhelfer bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand durch die Notrufzentrale benachrichtigt werden. Die sind dann schneller vor Ort als die Ambulanz und leisten Erste Hilfe. Das sind zwei Beispiele von vielen, die einen Mehrwert und mehr Lebensqualität bedeuten.

«Es gibt kein Richtig oder Falsch, aber wir müssen als Gesellschaft diese Diskussionen führen»

Barbara Alder, Leiterin Fachstelle Grundlagen und Strategien, Basel-Stadt

Und dann gibt es das Smart City Lab Basel …

… auf dem Areal Wolf, wo die SBB gemeinsam mit dem Kanton ab 2024 ein neues Quartier bauen. In der Zwischenzeit nutzen wir das momentan unternutzte Areal als Labor und probieren auf Testflächen neue, smarte Anwendungen aus. Im Smart City Lab geht es derzeit um Mobilität und Logistik – für uns als Stadt zentrale Themen. Was wir dort lernen, wenden wir im neuen Quartier Wolf oder in der Stadt an, die SBB in einem anderen Areal oder eine andere Stadt bei sich.

Und die Digitalisierung? Kann eine Stadt wie ­Basel diese überhaupt mitgestalten? Das tun doch vor allem die Internetkonzerne.

Wir können jedenfalls nicht darauf warten, dass die Digitalisierung vorüberzieht. Und wir sollten sie auch nicht nur Konzernen überlassen. Wie bei der Industrialisierung: Es gibt kein Zurück. Und je schneller wir uns mit diesem Gedanken anfreunden, desto eher können wir entscheiden, wo und wie wir auf intelligente Vernetzung setzen wollen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, aber wir müssen als Gesellschaft diese Diskussionen führen.

Welche Stärken hat Basel dabei?

Eine hervorragende Ausgangslage und dass wir mit dem Smart City Lab Basel einen physischen Ort haben. Das gibt uns die Möglichkeit, Konkretes zu probieren und zu diskutieren. Denn auch in einer zunehmend digitalisierten Welt sind Zusammenarbeit und Austausch zentral. 

Zur Person

Barbara Alder ist Leiterin der Fachstelle Grundlagen und Strategien. Diese gehört zur Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung des Präsidialdepartements des Kantons Basel-Stadt. Zuvor war sie stellvertretende Museumsleiterin am Museum.BL und Projektleiterin von Ausstellungen zu gesellschaftspolitischen Themen.