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«Liberium» – Ausbruch aus dem Büroalltag

IWB will sich von einem Infrastrukturunternehmen hin zu einem Anbieter von smarten, integrierten Energielösungen mit klarer Fokussierung auf den Kunden entwickeln. Dieser Wandel erfordert eine Weiterentwicklung in der Art des Arbeitens und des Arbeitsumfelds. Dabei verwischen Grenzen oder lösen sich gar auf, zugleich ergeben sich neue Chancen und auch Herausforderungen. Géraldine Bröker, Human Centered Design Consultant und Danjela Hüsam, Innovationsmanagerin geben Auskunft, wie sich Arbeitsräume gewandelt und welche Aufgabe die Innovationsräume bei IWB haben.

 

Wie unterscheiden sich klassische Büros, wie wir Sie seit Jahrzehnten kennen, von Kreativ- oder Innovationsräumen?

Géraldine Bröker: Innovationsräume erlauben uns aus unserem Büroalltag auszubrechen. Sie geben uns die Möglichkeit, durch ein anders gestaltetes Umfeld, auf neue oder andere Ideen zu kommen. Scott Doorley und Scott Witthoft von der d.school der Universität Stanford haben in Ihrem Buch «Make space: How to Set the Stage for Creative Collaboration» beschrieben, das Innovationsräume Räume sind, die je nach Situation die Kreativität, das Ergebnis sowie die Zusammenarbeit eines Teams positiv beeinflussen.

Innovationsräume unterscheiden sich in ihrer Art der Gestaltung und des Mobiliars, das zum Grossteil flexibel bewegt werden kann. Die Flexibilität ist ein sehr wichtiger Aspekt eines Innovationsraumes. Unterschiedliche Bereiche im Raum, lassen unterschiedliche Art der Arbeit zu. Ein Kreativ- oder Innovationsraum soll ein Ort der Begegnung, des Austausches und des Umdenkens sein. Hier werden Ideen gesammelt und ausgetauscht. Für mich persönlich sind es oft die Räume, in denen ich frische Inspiration tanke und aus der Unternehmensroutine ausbreche um mir Freiraum für andere Ideen zu holen.

Heute ändert sich die Kultur- und Wertvorstellung, weg vom rein materialistischen Denken, hin zum Denken: «Was ist für den Menschen gut?».

Danjela Hüsam, Innovationsmanagerin

Danjela Hüsam: Betrachtet man die Kulturstufen, beschrieben von Frederik Laloux und Spiral Dynamics, dann hinkt die Raumgestaltung der generellen kulturellen Entwicklung immer etwas hinterher. Durch bewusste Gestaltung der Räume könnte man also die kulturelle Entwicklung beschleunigen oder bremsen. So finden sich in unserer uniformen Bürogestaltung immer noch Ausprägungen die für Kirche oder Militär archetypisch sind. Die meisten Unternehmen befinden sich heute in der modernen und leistungsorientierten Weltsicht. Dort spielt Chancengleichheit, Wissenschaftlichkeit und Messbarkeit eine zentrale Rolle. Typisch ist dabei die Sicht auf das Thema Innovation als Optimierung des bestehenden Geschäfts und daher der Arbeitsteilung in klar getrennten Organisationseinheiten.

Heute ändert sich die Kultur und Wertvorstellung weg vom rein materialistischen Denken hin zum Denken: «Was ist für den Menschen gut?». Solche Unternehmen stellen bestimmte Werte in den Vordergrund, wie IWB zum Beispiel Kundenzentriertheit. Das Thema Kommunikation wird hier in den Räumlichkeiten sichtbar, indem Bereiche für informelle Kommunikation wie im «Liberium», dem Innovationsraum von IWB, geschaffen werden. 

 

Warum hat IWB Innovationsräume?

Géraldine Bröker:

Weil auch IWB Raum für Innovation braucht. Daniel Huber, Leiter Innovation Management der Berner Fachhochschule, meinte kürzlich in einem Vortrag «Unternehmen die nicht innovieren sterben aus». Und ich bin der Meinung, dass das Innovieren sowohl für das Hinterfragen bestehender Businessmodelle als auch interner Prozesse oder Organisationsaufstellungen gilt.

IWB braucht einen Ort, an dem wir uns bereichsübergreifend austauschen und Dinge anders denken und angehen. Kreativität entsteht dann, wenn wir neuen Ideen Raum geben, miteinander in den Austausch gehen und uns inspirieren lassen. In Routinen und immer gleichen Umfeldern kommt man selten auf neue Ideen.

 

Wie werden diese genutzt?

Géraldine Bröker: Innovationsräume haben oft unterschiedliche Zonen – einen offenen Teil für spontane Begegnungen, einen Teil um sich zurückzuziehen und entspannt zu arbeiten oder zu telefonieren, einen Teil in dem man  sich wie in einem «Wohnzimmerambiente» austauschen kann, sowie einen Teil der für Workshops genutzt werden kann.

Aktuell wird der Innovationsraum, das «Liberium», bei IWB so genutzt. Aber man muss auch ehrlich sein. Oft werden Innovationsräume auch für klassische Meetings genutzt. Das passiert in jedem Unternehmen. Spannend daran ist, dass man beobachten kann, wie dadurch auch klassische Meetings beeinflusst werden. Klassiche Meetings werden durch das flexibel verstellbare Mobiliar und die Whiteboards dynamischer und visueller. Das alleine ändert ihre Dynamik und schafft Raum für andere Begegnungen.

 

Könnte man die klassischen Büros, wie wir sie aus den vergangenen Jahrzehnten kennen, nicht zu Gunsten von Innovationsräumen abschaffen?

Géraldine Bröker: Ich würde gerne eine Gegenfrage stellen. Brauchen wir immer und überall in Unternehmen innovative Ideen? Nein, natürlich nicht. Es gibt Bereiche in Unternehmen, die nicht zwingend innovativ sein müssen wie zum Beispiel bedienen von Kunden, der Verkauf oder auch HR.

Was man aber beobachtet – und die Tendenzen zeigt sich auch bei vielen Schweizer Unternehmen – die Büroausgestaltung lässt einen Trend zu mehr Farbe, Holz und Flexibilität zu. Man kommt mehr und mehr weg von einem klassisch grauen Büro zu Farbe , Licht und Wärme durch Holzelemente. Man stellt auch hier fest, dass diese Faktoren einen Einfluss auf unsere Arbeit haben. Der Mensch ist nicht neutral und grau, er ist lebendig und hat Höhen wie Tiefen über den Tag verteilt. Er hat Bedürfnisse die anders bedient werden können und die man durch die Raumgestaltung beeinflussen kann. Und da sind wir dann wieder bei dem was Danjela gesagt hat, wie kann man das, was man als Unternehmen sich an wert gesetzt hat auch in dem Arbeitsalltag der Mitarbeiter wiederspiegeln?

 

Ist die Einrichtung von Innovationsräumen eine einmalige Sache (oder muss man sich immer wieder damit auseinander setzen und wenn ja auf welche Art)?

Géraldine Bröker: Nein, sie ist nicht einmalig. Innovationsräume leben, um der Routine einen Streich zu spielen. Das ist ja das tolle an ihnen. Ich komme rein und denke «Hoppla, beim letzten Besuch war das anders, Moment wo finde ich jetzt...? » und allein in diesem Konflikt bin ich angehalten nachzudenken, wo ich jetzt wohl die Post-it‘s oder Marker finde. Ich kann also nicht auf Autopilot stellen, sondern muss mich fragen: wo würde ich wohl, in dieser Raumkonstellation, zum Beispiel das Material unterbringen? Kleine Dinge, die man kaum bewusst wahrnimmt, lösen unbewusst andere Handlungswege aus. Das ist das tolle an Innovationsräumen. Ich schenke der Routine ein Lächeln, wende mich von ihr ab und begebe mich in die Welt der Unbekannten mit Offenheit und Neugierde.

Danjela Hüsam: Der Raum muss sich weiter entwickeln, wie sich auch die Kulturstufen weiterentwickeln. Wie diese jedoch aussehen werden ist noch unklar. Wichtige Begriffe sind hier «Teal Organization» oder «Responsive Organization». Dabei lautet die Frage nicht mehr nur «Was ist gut für unsere Kunden», sondern auch «Was ist gut für die Welt als Gesamt-System und was ist hier der Beitrag der eigenen Firma?».

Ein Merkmal für die kommende Kulturstufe ist, dass sie andere Kulturebenen integrieren kann. Das bedeutet in Räumen ausgedrückt, dass es uniforme Arbeitsplätze mit individuellen Anreizen und Hierarchien gibt, aber auch Team-Strukturen mit Team-Räumen und Team-Anreizen. In der zukünftigen Organisation sollten unterschiedliche Kulturen und Arten von Räumen unter einem gemeinsamen Ziel integriert sein.

 

Danke an Géraldine und Danjela für den Einblick ins «Liberium», und dessen Einbindung in den geschichtlichen und zukünftigen Kontext.