http://www.iwb.ch/de/geschaeftskunden/strom/wissenswertes/stromversorgung/fragen_und_antworten_zum_lastabw/

Fragen und Antworten zum Lastabwurf

Wer regelt die Frequenz im UCTE-Verbund?

Die Frequenz UCTE- System wird dezentral in allen Ländern mit der Primärregelung an allen Kraftwerken auf dem Sollwert gehalten. Turbinenregler erkennen Abweichungen der Drehzahl und korrigieren die Abweichung durch Veränderung der zur Verfügung stehenden Antriebsleistung. (Für ein Wasserkraftwerk: Mehr oder weniger Wasser auf die Turbine.)

Was ist, wenn diese Regelung nicht ausreicht?

Gemäss den Auslegungskriterien des UCTE- Systems sollte ein zeitgleicher Ausfall von 3000 MW Erzeugungsleistung mit der vorhandenen Primärregelleistung stabilisiert werden können. Fallen mehr als 3000 MW Erzeugungsleistung gleichzeitig aus, so müssen zusätzlich zur automatisch funktionierenden Primärregelung weitere Massnahmen zur Rettung des elektrischen Systems gestartet werden. Typische Massnahmen sind hier zum Beispiel das Abschalten von Pumpen in den Speicherkraftwerken oder von Kunden mit speziellen Lieferverträgen (Stahlwerke o.ä).

Warum braucht es dann den automatischen Lastabwurf?

Sinkt die Frequenz immer noch und würde weiterhin im gleichen Ausmass Strom bezogen werden, würde sich die Stabilität des Stromnetzes weiter, unter Umständen bis zum totalen Blackout verschlechtern. Hiervor soll der frequenzabhängige Lastabwurf schützen. Bei der Unterschreitung von 49 Hertz wird das Höchstspannungsnetz europaweit gezielt entlastet. Jeder Netzbetreiber muss in 0,3-Hertz-Schritten jeweils 10 bis 15% seines Versorgungsgebietes abschalten. Da die Reaktionszeit sehr kurz sein muss, erfolgt die Abschaltung automatisch.

Wie setzen die IWB den Lastabwurf um?

Die IWB haben ihr Versorgungsgebiet dazu in unabhängige Gebiete unterteilt und diese in sieben Gruppen zusammengefasst. Um alle Strombezüger gleich zu behandeln, wechselt die Rangfolge unter den Gruppen jährlich oder nach einem Ereignis. Vier Gruppen sind jeweils abgestuft für den Lastabwurf aktiviert, drei Gruppen sind davon ausgenommen.

Warum ist das Übertragungsnetz "wichtiger" als die Verbraucher?

Die Ursache für die Überlast ist meist regional. Im engmaschigen Stromnetz kann die benötigte Leistung meist über andere Leitungen rasch wieder zur Verfügung gestellt werden. Darum ist es wichtig, dass die Übertragungsnetze intakt bleiben. Umso schneller kann die an einem Ort fehlende Produktion wieder zu den Verbrauchern gelangen.

Warum wird geografisch verteilt Last abgeworfen?

Ein Abwurf von 20% der aktuellen Netzlast hat Rückwirkungen auf den Lastfluss damit auf die Belastungen der Leitungen. Es ist besser, geografisch verteilt eine überschaubare Last kontrolliert abzuwerfen, als ein grosses Gebiet komplett abzuschalten.

Weshalb ist das ganze Netz von einer lokalen Störung betroffen?

Die Netzstörung kann zwar lokale Ursachen haben, der Verlust des Zuganges zu mehreren Tausend MW Produktion führt aber im verbleibenden System zu einer rasch auftretenden Mangellage, die nur durch koordinierte automatisch ablaufende Aktionen stabilisiert und anschliessend behoben werden kann.

Warum kann die Schweiz keine Insel bleiben?

Überregionale Stromnetze werden mit einer Sicherheitsreserve betrieben. Das bedeutet, dass zu jeder Zeit ein Transformator, Leitung oder Kraftwerk ausfallen darf, ohne dass es zu einer Überlastung kommt oder gar zu einer Unterbrechung der Energieversorgung. Im Fall einer Störung innerhalb der Schweiz stützen die umliegenden Netze das Schweizer Netz und umgekehrt.

Wie oft wird das vorkommen?

Grosse Ereignisse, bei denen der frequenzabhängige Lastabwurf eintreteten wird, können wir nicht voraussagen. Sicher ist, dass das Stromnetz europaweit schneller wieder stabilisiert werden kann. Die ausgeschalteten Teilgebiete sind von einem Stromausfall zwischen Minuten bis ein paar Stunden betroffen.

Ein Beispiel, wie der Lastabwurf das Netz retten kann, ist der Blackout in Norddeutschland vom 4. November 2006. Hier ist nicht das Netz kollabiert, sondern es wurde Last abgeworfen. Ein Netzaufbau hätte wesentlich länger gedauert.

Wer kommt für Schäden auf, die ein Stromausfall verursacht?

Dies ist im IWB-Gesetz (Gesetz über die Versorgung des Kantons Basel-Stadt mit Energie und Trinkwasser, Nr. 772 300) geregelt. Demnach geben "Unterbrechungen der Versorgung infolge notwendiger Arbeiten, höherer Gewalt, Mangel an Energie und Trinkwasser oder anderer aussergewöhnlicher Ereignissesowie durch Betriebsstörungen [...] keinen Anspruch auf Entschädigung."

Wie kann ich mich vor Stromausfällen schützen?

Zu lokalen, unvorhergesehenen Stromunterbrüchen kann es jederzeit durch technische Defekte, menschliches Versagen, oder Bauarbeiten kommen. Wer auf eine ununterbrochene Stromversorgung angewiesen ist (Bsp. Spitäler, Rechenzentren) muss individuell geeignete Vorkehrungen treffen, beispielsweise Notstromgeneratoren oder USV-Anlagen für die wichtigsten Geräte. Wir beraten Sie gern.